"Ich bin nicht Julia. Und irgendwie bin ich es doch." (Seite 331)
Dieser Satz aus dem Nachwort von "Mama reichts!" trifft das Buch für mich ziemlich genau. Denn auch wenn ich mich natürlich nicht in allen Punkten in Julias Leben wiederfinde, konnte ich mich in zahlreichen ihrer Gedanken und Situationen identifizieren.
Julia ist eine authentische und sympathische Protagonistin, deren Alltag und Gedanken mir an vielen Stellen erstaunlich bekannt vorkamen. Auch die übrigen Figuren sind allesamt sehr lebensnah gezeichnet. In jeder von ihnen findet man wahrscheinlich Eigenschaften wieder, die einem aus dem eigenen Leben bekannt vorkommen. Besonders Marcel, Julias Mann, konnte ich in einigen Alltagssituationen gut wiedererkennen. Er bemerkt häufig gar nicht, wie viel Mental Load Julia tagtäglich auf ihren Schultern trägt. Gerade diese kleinen, alltäglichen Situationen und ihre Dynamik miteinander wirkten auf mich sehr realistisch.
Die Geschichte ist unterhaltsam und sehr liebenswert erzählt, oft humorvoll, greift aber gleichzeitig Themen auf, die zum Nachdenken anregen.
Gut gefallen haben mir auch die Briefe, die Julia an ihr "Older Me" schreibt. Sie geben der Geschichte eine schöne persönliche und nachdenkliche Note.
Der Erzählstil ist für mich "typisch Anke", wie ich sie bei @laechelnundwinken wahrnehme: locker, unterhaltsam und mit einer guten Prise Humor. An einigen Stellen empfand ich die Ausdrucksweise allerdings als etwas gestelzt, was meinen Lesefluss gelegentlich ein wenig gebremst hat.
Insgesamt hat mir "Mama reichts!" gut gefallen. Ich konnte mit Julia und anderen Figuren mitfühlen, mich in viele Situationen hineinversetzen und habe Julias Geschichte gerne verfolgt.
Ein unterhaltsamer und lebensnaher Roman über Familienalltag, Mental Load und die Frage, wann man eigentlich selbst einmal an der Reihe ist.