Vertritt erstaunlich schlechte Werte und verklärt toxische Verhaltensweisen.
Ich war ziemlich überrascht von dem Buch. Zum einen, weil ich "In all deinen Farben" so gut damals fand und von diesem Buch...so enttäuscht wurde. Obwohl es auf dem Zettel so gut klang, denn im Prinzip ist das hier ein zeitgenössischer Roman, über Schwarzes, feministisches Empowerment, gekoppelt mit einer unterhaltsamen Liebesgeschichte.Es könnte tatsächlich sein, dass dieses Buch vor Jahren noch viel besser bei mit abgeschnitten hätte. Aber mittlerweile habe ich solche Bücher wie "Honey" gelesen. Beide Bücher haben ein ähnliches Setting, nur dass "Honey & Spice", leider völlig gegen "Honey" abstinkt.Mein größter Kritikpunkt: Emotionale Beziehungen zwischen Figuren sind nicht gut vermittelt. Ich kaufe keine der Freundschaften zwischen diesen Frauen ab - finde sie rein behauptet, statt aufgezeigt.Gleiches gilt für die "Lovestory", die enorm viel Platz einnimmt. Dieses Knistern zwischen den beiden ist für mich rein behauptet, aber nicht gut beschrieben worden. Ich finde, die Figuren haben keinerlei Chemie zueinander. Nicht einmal das Campus-feeling fand ich überzeugend.Ich fand auch die Konstruktion nicht überzeugend. Dieses Enemie-to-Lovers war bestenfalls halbherzig und kippt dementsprechend schnell ins Fake-Boyfriend-Thema. Mit all seiner oberflächlichkeit versteht sich, inklusive, dass selbst jemand mit 70 Dioptrien noch sieht, dass die beiden nicht nur aufeinander abfahren, sondern sich schwer verlieben und einfach gut zusammen passen - nur die beiden betroffenen natürlich nicht. Denn sonst hätte man hier nichts zu erzählen. Und genau das zeigt, wie inhaltsbefreit das ist. Blöd, dass das ¿ des Buches ausmacht.Natürlich ist der Er auch zu 100% der typische Loveinterest, der von einer Frau geschrieben wurde, inkl. er tut und sagt natürlich immer genau das richtige - außer, wenn er genau das nicht tun soll, damit er schon in der nächsten Szene mit Einsicht und Willen zur Besserung um die Ecke kommen kann. Das macht seine Figur leider ziemlich flach, da hilft auch keine tragische Vergangenheit mehr.Noch schlimmer, es lässt die Protagonistin schlecht und arrogant dastehen, denn ihr fehlt es an jeglichem Reduktionsvermögen. Sie übernimmt keine wirkliche Verantwortung für ihre Taten und Worte, sie ist fies zu denen, die sie liebt aus Selbstschutz und heult dann rum, weil es weh tut und rechtfertigt dieses Verhalten sich selbst gegenüber mit: "Ohne mich ist er ohnehin besser dran." Das nennt man eine Redflag inkl. Täter-Opfer-Umkehr.Diese Form der Darstellung oder Herangehensweise an den Themen, sorgt dafür, dass selbst dieses feministische, Schwarze Empowerment-Thema (was eigentlich super ist), zu etwas patzigem bis herablassenden zerfällt.Denn ihre Freundinnen decken dieses toxische Verhalten, spielen das herunter oder reproduzieren es sogar, weil hier weibliche Solidarität mit bedingungsloser Loyalität verwechselt wird.Die Protagonistin benötigt ständig die Bestätigung von außen, sonst zerliefst sie Selbsthass/Selbstzweifel. Was natürlich zu keinem Zeitpunkt reflektiert wird. Weshalb es besonders Bigott erscheint, dass ausgerechnet sie anderen Beziehungstipps erteilt, während sie ihre eigene nicht auf die Ketten bekommt.Die Werte, die vermittelt werden, finde ich nicht unterstützenswert. U.a. begegnet einen: "Wer sich liebt, verletzt sich halt auch mal" wir reden hier davon, dass sie sich bewusst verletzen wollen, dass sie das, was ihnen in guten Zeiten anvertraut wurde, dann als Waffe gegen den anderen benutzt wird, aber das muss man doch verzeihen können, schließlich liebt man sich doch - ey ne, definitiv nicht. Mit dieser Logik ist man ganz nah an: Auch wenn ihm mal die Hand ausrutscht, muss man doch verzeihen können, schließlich liebt er dich doch.Oder auch sowas wie: "Er muss richtig hart arbeiten, damit er sich mich verdient, sonst weiß er mich nicht zu schätzen." Noch so ein toxisches Beziehungsmuster, das hier als "ist doch nicht so schlimm" verklärt wird.Ich muss leider sagen, dass dieses Buch gut gemeint war, aber schlecht umgesetzt wurde. Es vertritt erstaunlich schlechte Werte und verklärt diese. Es gibt andere Bücher, die es deutlich besser machen.