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In der weißen Zelle

Inside the Withe Cube. Zahlreiche Abbildungen.
Buch (kartoniert)
"O'Doherty untersucht das kritische Verhältnis zwischen Kontext und Inhalt, und mit Witz und Ironie stellt er den Mythos von der Neutralität des Museums- oder Galerieraumes dar. Diese Essays markieren einen Wendepunkt in der Kunst-Wahrnehmung." (Barb … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: In der weißen Zelle
Autor/en: Brian O'Doherty

ISBN: 3883961221
EAN: 9783883961224
Inside the Withe Cube.
Zahlreiche Abbildungen.
Herausgegeben von Wolfgang Kemp
Merve Verlag GmbH

1. Juni 1996 - kartoniert - 168 Seiten

Beschreibung

"O'Doherty untersucht das kritische Verhältnis zwischen Kontext und Inhalt, und mit Witz und Ironie stellt er den Mythos von der Neutralität des Museums- oder Galerieraumes dar. Diese Essays markieren einen Wendepunkt in der Kunst-Wahrnehmung." (Barbara Rose)

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 15.11.1996

Nach der Wandergreifung der Kunst
Brian O'Doherty über den Galerieraum als Kapelle, Labor und Gerichtssaal

Von der Retrospektive Robert Irwins im Kölnischen Kunstverein 1994 ist vor allem das ortsbezogene Werk in Erinnerung geblieben. Aus einer Wand des langgestreckten Raumes hatte der Kalifornier ein Mauerstück herausbrechen lassen. So befand sich dort ein rechteckig zugeschnittenes Loch als rahmen- und glasloses Fenster. Durch ein gestaffeltes System von Paravents, die ebenfalls mit Fensteröffnungen versehen waren, blickte man geradewegs auf das wogende Blattgrün eines Baumes und den alltäglichen Straßenverkehr. Das gewöhnliche Sichtbare verdichtete sich zum "Bild". In dialektischer Synthese bestätigte Irwin den musealen Raum als Stätte der Wahrnehmung und brach mit dem Fenster zur Welt zugleich seine Hermetik auf (siehe F.A.Z. vom 2. Mai 1994). Bereits 1974 hatte Irwin in der Sammlung Panza in Varese mit einem ähnlichen Fenster die Trennung von Innenraum und Außenwelt aufgehoben.

Die Geschlossenheit des Museums reizte schon in den sechziger Jahren eine Reihe von Künstlern zum Widerspruch. Dieser Konflikt fand beredten theoretischen Ausdruck in Brian O'Dohertys Essay "Inside the White Cube" (In der weißen Zelle), der 1976 in der amerikanischen Kunstzeitschrift "Artforum" erschien und heute einen Klassiker darstellt. Dieser tiefschürfende und mit hintergründigem Witz geschriebene Versuch über die Politik der Wahrnehmung ist jetzt noch einmal von Wolfgang Kemp in vollständiger Form neu übersetzt worden.

Der New Yorker Kritiker und Künstler Brian O'Doherty interpretierte die Hermetik des Galerieraums als verborgene Bedingung der Möglichkeit von Kunst im zwanzigsten Jahrhundert. Seine thesenreiche und metaphorisch brillante Analyse ist eine empirische Kritik der reinen Autonomie in der Modernem, eine Metaphysik der weißen Wand und des scheinbar neutralen Kunstmuseums. Vor dem Hintergrund der Malerei seit Monets großen Seerosenbildern sah O'Doherty in der "Wandergreifung" des Gemäldes und in der Expansion der Collage zur Installation das Signum der Gegenwart. O'Doherty entzauberte die vermeintliche Unschuld der weißen Wand und des weißen Raumes, um ihre ästhetischen, ökonomischen und ideologischen Voraussetzungen zu entlarven. Der ideale Galerieraum maße sich die "Heiligkeit der Kirche", die "Gemessenheit des Gerichtssaales" und das "Geheimnis des Forschungslabors" an. O'Doherty empfand ihn als Weihestätte der Ästhetik, wo das Evangelium der Moderne verkündet und darüber entschieden wird, was als Kunsthostie verabreicht wird. "Die weiße Zelle hielt das Philistertum draußen und erlaubte es der Moderne, ihre unablässigen Versuche, sich selbst zu definieren, zu einem Ende zu bringen." Ironie und Sarkasmus gipfelten in der (hoffentlich rhetorischen) Frage, ob man sich Mord in der Galerie, jener "Vorhölle zwischen Atelier und Wohnzimmer", als Kunst vorstellen könne.

Gleichsam en passant lieferte O'Doherty eine aufschlußreiche Geschichte der Ausstellungen in diesem Jahrhundert, welche die exklusive Abgeschiedenheit des Präsentationsortes in Frage gestellt haben und aus ihm ausbrachen. Seine Kronzeugen sind Schwitters, Duchamp, Yves Klein, Buren und Christo. Die schneidigen Ausführungen des "hartgesottenen Empirikers", wie O'Doherty sich später bezeichnete, wirken noch immer herausfordernd. O'Doherty nennt die Strategien beim Namen, mit denen sich die Moderne inszeniert und ihre Selbsteinschätzung fortschreibt. Treffendes Beispiel ist etwa das Dokumentationsfoto der Ausstellung. In den meisten Aufnahmen ist alles zufällige, reale Leben eliminiert - kaum Menschen stören den keimfreien Status quo der Veranstaltung. Allgegenwärtig seien lediglich der anonyme "Betrachter" und sein körperloser, "versnobter Verwandter": das Auge. Man kann O'Dohertys Unbehagen an einer Kunstkritik und ihren Konventionen nachvollziehen, die ihre Ideen und Erfahrungen gerne an diesen gesichtslosen, aber stets objektivierbaren "Betrachter" delegiert. Dieser habe zumeist "nur einen Rücken. Seine Haltung ist fragend, seine Verwirrung diskret... und ich glaube, er ist mehr männlichen als weiblichen Geschlechtes". Man liest solche Passagen mit der Lust dessen, der sich überführt sieht, kein Vergehen begangen zu haben. Die Kraft des Energiespeichers Museum und seiner Hervorbringungen in diesem Jahrhundert lassen sich damit jedenfalls nicht wegdiskutieren.

Mit der "Institutional Critique" und "Appropriation Art" sind seit längerem Strömungen aufgekommen, die die Resultate der "Auratisierungskiste" bezweifeln, ohne sie suspendieren zu können. Womöglich können sie dazu anregen, sich über den Status der Erfahrungen in der weißen Zelle genauer bewußt zu werden. In der Theorie der ästhetischen Erfahrung heute werden Versuche zu einer "Ästhetik des Diskursiven" und einer "kontextuellen Rezeptionsästhetik" unternommen (Markus Brüderlin). Die Institution soll entmythologisiert und das "Bewußtsein historischer Distanz" im Horizontwandel methodisch geschärft werden (Jürgen Stöhr). Die Hermeneutik würde sich selber mißverstehen, so das Argument, wenn sie an den geschichtlichen Veränderungen der Kunst und ihrer Wahrnehmung vorbeiginge. Die Frage ist nur, ob man sich in die diskursive Fallgrube locken läßt. Erhalten doch die Bilder der ins Feld geführten Diskurskünstler erst durch die Werke, auf die sie anspielen, ihren Sinn - viele Jahrzehnte nach Duchamps Kommentar "L.H.O. O.Q."zu Leonardos Mona Lisa. GEORG IMDAHL

Brian O'Doherty: "In der weißen Zelle". Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Kemp. Merve Verlag Berlin, 1996, 166 S., Abb., br.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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