Nachdem mir die Boys of Tommen-Reihe auf BookTok gefühlt tausendmal als "lebensverändernd", "emotional am Ende" und als der "Slow Burn aller Slow Burns" verkauft wurde, habe ich schließlich zu Binding 13 gegriffen. Bei einer 4,5-Sterne-Bewertung erwartet man ja fast eine religiöse Erfahrung.Schon nach der Hälfte habe ich mich gefragt, ob wir alle dasselbe Buch lesen. Ich habe tapfer weitergelesen, immer in der Hoffnung, dass der "gute Teil" noch kommt. Spoiler: Er kam nicht.Ganz ehrlich: Wenn man dieses Buch um 500 Seiten kürzen würde, hätte man immer noch exakt dieselbe Geschichte. Lasst das mal kurz sacken.Das Buch ist jenseits jeder Vernunft aufgebläht. Ganze Kapitel existieren nur, um denselben inneren Monolog zum hundertsten Mal zu wiederholen: Ich bin kaputt. Er ist beschützerisch. Ich habe Angst. Er ist sanft. Wir haben es kapiert. Wir hatten es schon vor 300 Seiten kapiert. Irgendwann ist fehlender Fortschritt kein "Slow Burn" mehr, sondern fühlt sich einfach so an, als würde die Autorin auf der Stelle treten, weil sie nichts Neues zu sagen hat.Dieses Buch ist nicht lang, weil die Geschichte es erfordert. Es ist lang, weil niemand es lektoriert hat. Szenen, Gedanken, Gespräche, Traumata - alles wiederholt sich in einer Endlosschleife. Jede einzelne Emotion wird erklärt, wieder erklärt, kursiv geschrieben, nochmal kursiv geschrieben und dann aus einem leicht anderen Winkel beleuchtet, falls der Leser zwischen zwei Absätzen eine spontane Amnesie erlitten hat. Es gibt keine Subtilität, keine Zurückhaltung und absolut null Vertrauen in die Intelligenz des Lesers.Shannon wird uns ununterbrochen als zerbrechlich, verängstigt und klein präsentiert, während Johnny gleichzeitig permanent von seinem besten Stück besessen ist, und ihr gegenüber beschützerisch und distanziert sein muss. Würde man diesen emotionalen Kreisverkehr streichen, bliebe kaum Substanz übrig. Das ist keine Spannung, das ist Stillstand.Besonders problematisch: Shannons Missbrauchserfahrung wird weder mit Tiefe noch mit Respekt behandelt. Ihr Schmerz wird künstlich in die Länge gezogen, regelrecht zelebriert und ästhetisiert, aber er führt nirgendwohin. Statt Empowerment oder echter Entwicklung bekommen wir eine endlose Hilflosigkeit, die als "romantische Zerbrechlichkeit" verkauft wird.Und dann ist da Johnny. Der "Golden Boy" von BookTok, der einen erschreckend großen Teil des Romans damit verbringt, Menschen fast totzuprügeln. Nicht metaphorisch. Buchstäblich. So schlimm, dass Erwachsene einschreiten müssen, weil er jemanden beinahe umgebracht hat. Und wir sollen dabei... schmelzen?Shannon kommt aus einem gewalttätigen Elternhaus, dominiert von einem brutalen Vater. Und die Story will uns ernsthaft weismachen, dass der sicherste Partner für sie ein Junge ist, dessen einziger Bewältigungsmechanismus extreme physische Gewalt ist? Das Buch hinterfragt diese Parallele keine Sekunde. Es klebt einfach einen "Aber er beschützt sie doch!"-Sticker auf Johnny und nennt das Heilung. Gewalt wird nicht besser, nur weil sie die "Bösen" trifft. Für ein traumatisiertes Mädchen sollte das eine riesige Red Flag sein, hier wird es als Hingabe umgedeutet.Fangen wir gar nicht erst mit dem Alter an. Das sollen 17-Jährige sein. Minderjährige. Teenager. Trotzdem bewegen sich Johnny und seine Freunde durch die Welt wie emotional abgebrühte, sexuell hypererfahrene 30-Jährige. Die Menge an flüchtigem Sex und emotionaler Distanz ist so übertrieben, dass es ins Absurde abgleitet. Vielleicht ist das die Realität der "Rugby-Götter", aber mit der echten Welt hat das wenig zu tun.Der absolute Tiefpunkt? Als Gibsie sexuelle Interaktionen mit einer Angestellten der Schule eingeht, um an Informationen zu kommen. Das ist nicht "edgy" oder "realistisches Dark Drama". Das Buch zuckt nur mit den Schultern und wirft es auf den wachsenden Haufen an Traumata, als wäre es ein ganz normaler Dienstag.FazitTrauma wird hier als Hintergrundrauschen missbraucht. Missbrauch, Gewalt, Vernachlässigung - alles wird so hoch gestapelt, dass nichts davon wirklich wirken kann. Schmerz ist hier die Währung: Je mehr die Charaktere leiden, desto "tiefgründiger" soll das Buch wirken.Deshalb darf Shannon auch nie wirklich wachsen. Sie bleibt festgefroren in einer Vitrine aus Schmerz, damit Johnny den Retter spielen kann. Der einzige echte Lichtblick war Joey - er hat das Buch auf seinen Schultern getragen. Das letzte Kapitel war das beste, auch wenn ich erst dachte, mein E-Book sei kaputt, weil es mitten im Satz endete. Das sollte scheinbar der "Cliffhanger" sein, mitten in der Szene einfach aufzuhören. Ich habe Keeping 13 nur aufgeschlagen, um die Szene zu beenden. Das war's dann aber auch für mich.