Das ist doch nicht zu fassen, dieser Mann säuft wie ein Loch. Caruso. Ein runtergerockter Profisurfer, Privatdetektiv für gestohlene Roller, Ex-Profi-Surfer, Aussteiger und einer derjenigen, die sich so durchschlagen. Auf Surogoa, das so ist, wie Bali einst war. Kaputt, hoffnungslos, ein Paradies. Zumindest für Surfer*innen und diejenigen, die auf irgendeine andere Art nach dem Sinn suchen.
Daniel Faßbender schreibt seinen Ermittler in einen Sumpf aus Drogen, Willkür und Gewalt hinein, das ist hard-boiled reloaded, Raymond Chandler lässt grüßen. Der Privatschnüffler, der sich nie für einen Spruch zu schade ist und sich die eigenen Eskapaden mit einem müden Lächeln verzeiht. Der Tresen war sein Rückgrat. Die Welle seine Kathedrale.
Daniel Faßbender, I salute you! Meine Surferinnen-Seele weint vor Glück. Surfen ist eine Lebenseinstellung. Viele Autor*innen versuchen sich an authentischen Beschreibungen und poetischen Verzahnungen, um das, was Wellenreiten ausmacht, in Worte zu fassen. Daniel Faßbender gelingt dies in glasklarer Sprache, die ohne Vergleiche und Kapriolen auskommt. Es gelingt ihm, für das physische Erleben eine Sprache zu finden, die genauso im Rhythmus des Swells rauscht wie die Gedanken und Dialoge. Surfen ist wie atmen, das Meer lässt dich niemals los.
Aus Surfspots zieht sich die Landkarte über Surogao, die kulturellen, sozialen und politischen Betrachtungen folgen. Heavens Gate ist Kriminalroman, gesellschaftliches und geopolitisches Portrait. Die Insel liegt auf der Achse zwischen Asien und Mexiko und wird zum Brennpunkt der Drogenkartelle, die hier ihre Fehden austragen. Armut trifft auf Tourismus, Wirtschaftsinteressen, Kriminalität im großen und kleinen Stil auf Klimaschützer, Korruption auf das Schicksal der Einzelnen.
Die Sprache legt ein hohes Tempo vor, das nur in der Hängematte und auf dem Surfbrett etwas abebbt. Heavens Gate lebt von den zahlreichen Aspekten und Ebenen, die sich hinter der knackigen, wiedererkennbaren und höchst unterhaltsamen Sprache verbergen. Das ist beste old-school Krimi-Lektüre, ein grandioser Roman für Surfer.innen und ein detaillierter Reisebericht. Ich war gerne mit Caruso auf Surogao und das hoffentlich nicht zum letzten Mal.