Sie stellt sich als Ángel vor, Ángel Guzmán Gaviria, und sie vermisst ihren Sohn Juan. Alle nennen ihn nur John John. Bei der Polizei war sie nicht, denn Choco Mucho ist ein feiner Kerl, aber ein lausiger Bulle. Nun, ich erfahre noch so einiges mehr von ihm und von der Arbeitsweise der Polizei hier, auf der philippinischen Insel Surogao. Chocos Faulheit heißt für Caruso, dass er so dann und wann einen Auftrag erhält, wenngleich dieser nicht viel einbringt, ihn aber so einigermaßen am Leben erhält, er krebst sozusagen permanent am finanziellen Limit. Die Miete, die Drinks und noch so einiges kosten da kommt ihm diese Suche nach dem verschollenen Sohn gerade recht, zumal Ángels Vorschuss sich sehen lassen kann.
Caruso ist ein ehemaliger Profisurfer, der hier als Privatdetektiv unterwegs ist - sofern er einen Auftrag hat. Ich würd ihn eher als verkrachte Existenz beschreiben, der dem süßen Nichtstun frönt. Dramatisch gehts los, als er einige Surfer dabei beobachtet, wie sie diese Welle unterschätzen und er selbstlos eingreift. Es sind Russen. Und sie sehen dies komplett anders. Eine gebrochene Nase spricht Bände, Caruso muss dafür bestraft werden. Schon allein das Cover spricht für sich, die Riesenwelle macht Laune und erweckt schon Betrachten eine unbändige Lust (nach Meer) nach mehr.
In erster Linie aber heißt es, John John aufzuspüren. Dabei nimmt Caruso die Hilfe von Yahoo an, einem Filipino und begnadeten Hacker, auch andere mischen kräftig mit. Was allerdings Diego in Hannover mit dem Ganzen zu tun hat, wird später klar, momentan aber scheint seine Geschichte eine ganz eigene zu sein.
Die wendungsreiche Story gewährt neben der Detektivarbeit einen tiefen Einblick ins Surferparadies, das für die Einheimischen gar nicht so paradiesisch daherkommt. Man spürt ihr karges Dasein, ihren täglichen Existenzkampf. Über Drogen und Alkohol, Gewalt und Korruption, Polizeiwillkür bis hin zu Mord ist alles dabei. Ganz anders das Ministerium für Tourismus, das die Inselkampagne mit dem Slogan Welcome to Paradise. Welcome to Surogao startet.
Um zu Caruso zurückzukommen er ist nicht gerade ein Sympathieträger, auch ist er keiner dieser herkömmlichen Detektive, eher schon ein abgehalfteter ehemaliger Profisurfer, der dennoch einen gewissen Charme besitzt und diesen bei Bedarf auch einzusetzen weiß.
Heavens Gate ist ein gut geschriebener, ein kurzweiliger und spannender Krimi mit einem Anti-Helden, von dem es vielleicht noch mehr zu berichten gibt. Ich wär dabei.