Das herbeigesehnte Ende einer unglaublich schönen Reihe, die ihre Stärken und Schwächen hatte.
Mit A False Start findet die Gold Rush Ranch Reihe ihren Abschluss und ich gehe definitiv mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dieser Reihe.Nadia und Griffin könnten unterschiedlicher kaum sein. Zwischen den beiden liegen 14 Jahre Altersunterschied und auch sonst befinden sie sich an vollkommen unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben. Nadia ist zu Beginn der Geschichte gerade einmal 19 Jahre alt, hat aber durch ihre Vergangenheit bereits unglaublich viel erlebt und musste viel zu früh erwachsen werden. Griffin dagegen ist Mitte 30, hat selbst einiges durchgemacht und ist nach einigen sehr tiefen Abstürzen eher davor geflohen, sich seinem Leben und seiner Vergangenheit wirklich zu stellen.Genau diese unterschiedlichen Ausgangssituationen fand ich an der Geschichte unglaublich interessant. Nadia entwickelt sich im Verlauf des Buches enorm weiter. Sie lernt, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten, sich selbst mehr zu vertrauen, eigene Träume zu entwickeln und vor allem ihr Leben für sich selbst in die Hand zu nehmen. Schön fand ich hier auch die Therapie Erwähnung und ihre daraus resultierenden Tagebucheinträge. Sie möchte geliebt werden, aber sie möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass ein anderer Mensch glücklich ist. Und genau das fand ich an ihr unglaublich stark.Auch Griffin macht eine Entwicklung durch. Er beginnt wieder zu leben und sich mit Dingen auseinanderzusetzen, vor denen er sich lange gedrückt hat. Trotzdem hatte ich gerade bei ihm immer wieder das Gefühl, dass er noch einen Schritt weiter hätte gehen müssen. Nadia ist emotional irgendwann deutlich gefestigter und reflektierter als er, obwohl sie so viel jünger ist. Gerade deshalb hätte ich mir gewünscht, dass Griffin noch stärker lernt, sein Leben auch unabhängig von Nadia zu leben. Er schafft es zwar irgendwie am Ende, tut es dann aber für Nadia, nicht für sich.Besonders positiv ist mir das Drama in diesem Band aufgefallen. Nachdem mich das künstlich erzeugte Drama in den vorherigen Teilen teilweise wirklich gestört und etwas die Geschichte ruiniert hat, war es hier für mich deutlich nachvollziehbarer und menschlicher. Die Konflikte entstehen aus den Charakteren heraus und fühlen sich dadurch viel authentischer an. Gleichzeitig wird schön vermittelt, dass Liebe nicht bedeutet, für das Glück eines anderen Menschen verantwortlich zu sein oder dass ein Partner das gesamte Licht im eigenen Leben sein sollte.Die Tension zwischen Nadia und Griffin hat mir dabei unglaublich gut gefallen. Die beiden haben eine ganz eigene Dynamik und gerade durch ihre Unterschiede entstehen viele schöne und hitzige Momente. Trotzdem lebt das Buch für mich weniger von einer permanenten Spannung in der Handlung, sondern viel mehr von der Entwicklung der Charaktere und ihrer Beziehung. Dadurch hatte ich zwischendurch aber auch nicht immer diesen Drang, unbedingt weiterlesen zu müssen.Was ich ebenfalls interessant fand, ist, dass sich A False Start teilweise sehr eigenständig von den anderen Teilen der Reihe anfühlt. Natürlich treffen wir alle anderen geliebten Charaktere wieder aus den vorherigen Bänden und die Geschichte ist in die Welt der Gold Rush Ranch eingebettet, aber gerade Nadia und Griffin stehen deutlich mehr für sich.Wenn ich die gesamte Reihe jetzt rückblickend betrachte, fällt mir außerdem auf, dass Elsie Silver unglaublich starke weibliche Charaktere schreibt. Die Frauen sind für mich emotional und charakterlich häufig gefestigter als ihre männlichen Gegenparts. Auch in diesem Band hatte ich wieder das Gefühl, dass Nadia Griffin in einigen Punkten weit voraus ist.Trotzdem ist A False Start für mich der erzählerisch und charakterlich stärkste Band der Reihe. Es ist nicht unbedingt die spannendste Geschichte, sondern eher sich vieles einfach runder und nachvollziehbarer angefühlt hat. Ich hatte weniger das Gefühl, dass Konflikte nur eingebaut wurden, damit es überhaupt einen Konflikt gibt, sondern dass die Geschichte tatsächlich von den Charakteren getragen wird. Denn diese Bodenständigkeit habe ich in den vorherigen Teilen teilweise schmerzlich vermisst.Deshalb ist A False Start für mich ein sehr schöner Abschluss der Gold Rush Ranch Reihe. Eine Reihe mit Höhen und Tiefen, mit Humor, Tension, Gefühl und Charakteren, die man über mehrere Bücher begleiten durfte.Ich gehe, wie gesagt, mit einem weinenden Auge, weil eine schöne Reise endet, aber gleichzeitig auch mit einem lachenden Auge, weil sich dieser Abschluss für mich genau richtig angefühlt hat und ich gebraucht habe.