Nach dem Tod ihres Vaters fällt Briar in ein tiefes Loch, aus dem sie so schnell nicht wieder herauskommt. Doch dann verliert sie auch noch ihre Wohnung und findet ausgerechnet bei ihrer Monster-Smut-schreibenden Großmutter Evangeline in der Kleinstadt Ecco Falls Unterschlupf. Eigentlich will sie sich dort nur in Ruhe verkriechen, doch ihr neuer, redseliger Nachbar Leen macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Denn ihm ist jedes Mittel recht, um sich vor seinen Pflichten in der Moonpaw Clinic seines Vaters zu drücken. Im Gegensatz zum Rest seiner Familie hat er nämlich absolut kein Händchen für magische Tierwesen. Als Briar ihm erzählt, dass sie den verschwundenen Turnierdrachen ihres Vaters suchen will, ist er daher sofort bereit, sie bei der Suche zu unterstützen.
Der gewohnt angenehme Schreibstil der Autorin ermöglicht einen leichten Einstieg in die Geschichte. Allerdings muss ich zugeben, dass es lange gedauert hat, bis ich mit Briar so richtig warm geworden bin. Es fiel mir schwer, mich in sie hineinzuversetzen, was vor allem daran lag, dass sie außerhalb ihrer Trauer keinen wirklichen Charakter zu haben scheint. Ich verstehe absolut, dass einen der Tod eines Elternteils mitnimmt, aber hier war mir das Ganze irgendwie zu schwarz-weiß dargestellt. Dabei hatte ich gehofft, dass wir im Laufe der Geschichte zumindest ihren Charakter etwas besser kennenlernen würden, aber auch hier Fehlanzeige. Besonders gestört hat mich, dass Vael so sehr unter Briars Trauer leiden musste. Monatelang wurde sie nicht gut behandelt, weil Briar es nicht geschafft hat, sie in der Auffangstation abzuholen oder jemanden zu schicken, der das für sie übernimmt. Dabei hat der Drache mindestens genauso sehr unter dem Verlust gelitten. Leen mochte ich dagegen auf Anhieb. Mit seiner fröhlichen, plappernden Art ist er mir direkt ans Herz gewachsen. Auch er hat keine einfache Vergangenheit, aber bei ihm fiel es mir deutlich leichter, ihn und seine Beweggründe nachzuvollziehen. Außerdem konnte ich beobachten, wie er sich charakterlich weiterentwickelt und endlich erkennt, was er wirklich mit seinem Leben anfangen will. Natürlich habe ich mich auch gefreut, einige alte Bekannte aus den anderen Bänden der Reihe wiederzusehen. Vor allem Briars Großmutter Evangeline hat mit ihren Büchern für eine dringend notwendige Portion Humor gesorgt. Während mir dieser Aspekt der Geschichte gut gefallen hat, konnte mich die Handlung gerade zu Beginn nicht ganz überzeugen, da sie sich stellenweise doch ziemlich in die Länge gezogen hat. Gegen Ende nimmt sie jedoch noch einmal richtig an Fahrt auf, als die Truppe ihren großen Befreiungsplan in die Tat umsetzt. Das war definitiv der Teil der Geschichte, der mir am besten gefallen hat.
Auch wenn mich Briars Entwicklung und der Umgang mit Vael enttäuscht haben, konnten Leen, der Humor und das spannende Finale einiges davon auffangen. Von mir gibt es daher 3 von 5 Sternen.