Jens Bergmann hat mit Von achtsam bis toxisch ein ebenso unterhaltsames wie nachdenklich stimmendes Buch geschrieben. Es beschäftigt sich mit den psychologischen Begriffen, die inzwischen fest zu unserem Alltagswortschatz gehören und denen man in sozialen Medien, Podcasts, Ratgebern und Gesprächen ständig begegnet. Besonders gut gefallen hat mir der Aufbau des Buches. Nach einer allgemeinen Einführung folgt ein umfangreiches Glossar, in dem zahlreiche Begriffe erklärt und eingeordnet werden. Die Erläuterungen sind informativ, oftmals augenzwinkernd und laden immer wieder zum Schmunzeln ein. Gleichzeitig gelingt es dem Autor, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen, ohne dabei oberflächlich zu werden. Der Schreibstil ist sachlich, leicht lesbar und angenehm humorvoll. Sehr gelungen finde ich zudem die historische Einordnung vieler Begriffe und Konzepte.
In vielen Punkten sprach mir das Buch regelrecht aus der Seele. Bergmann zeigt überzeugend auf, wie schnell heutzutage normale Lebenserfahrungen und alltägliche Herausforderungen mit psychologischen Diagnosen oder Therapiebegriffen versehen werden. Dabei verliert er nicht aus dem Blick, dass Menschen mit tatsächlichen psychischen Erkrankungen professionelle Hilfe benötigen. Besonders zustimmen konnte ich seinen Ausführungen zum inneren Kind. Mein Highlight-Satz ist: "So tragen die vielen Posts, die sich in Windeseile über Kontinente hinweg ausbreiten können, zu sozialen Ansteckungseffekten bei." Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und erklärt treffend, warum bestimmte psychologische Begriffe plötzlich überall auftauchen.
Der einzige Kritikpunkt ist für mich, dass die Darstellung stellenweise etwas einseitig negativ der Alltagspsychologie gegenüber ist. Schließlich trägt der offenere Umgang mit psychischen Problemen dazu bei, diese nicht mehr zu dämonisieren. Allerdings traue ich den Lesern durchaus zu, dies selbst einzuordnen.
Mein Fazit: Von achtsam bis toxisch ist ein kluges, unterhaltsames und sehr aktuelles Buch über die Macht der Sprache und den Boom psychologischer Begriffe. Es regt zum Nachdenken an, ohne zu belehren, und hilft dabei, viele Modewörter unserer Zeit besser einzuordnen. Eine klare Leseempfehlung für alle, die sich für Sprache, Psychologie und gesellschaftliche Entwicklungen interessieren.