Liebeserklärung an die Dunkelheit; einfach schön geschrieben mit poetischen, fast schon philosophischen Vibes; nichts zum Nebenbei-Lesen
James und Nyx sind Nachtboten, die besondere Fähigkeiten haben. James kann z.B. eine völlige Dunkelheit und sich erschaffen, Nyx kann schlechte Träume von den Menschen nehmen. Gemeinsam im Haus ihrer Ziehmutter Diane aufgewachsen, die ihnen lehrte, ihre Fähigkeiten zu kontrollieren, gehen die beiden mittlerweile getrennte Wege; das ist für Nachtboten sicherer, denn die Tagboten, die ihresgleichen für die Quelle von Chaos halten, das in regelmäßigen Wellen die Welt überflutet und zu zerstören droht, machen Jagd auf sie. Auch jetzt mehren sich wieder die Zeichen, dass ein Nachtbote von der Chaosenergie überwältigt wird. Birdie, eine Seherin, bemerkt die Zeichen für einen neuen Chaosbringer ebenfalls.Gemeinsam mit den Geschwistern versucht sie diesen zu identifzieren.Tordasi schreibt eine Liebeserklärung an die Nacht, lässt poetische Bilder entstehen, die Faszination und Bedrohlichkeit gleichermaßen transportieren. Schnell wird klar, dass in dem Schwarz-Weiß (oder Nacht-Tag)-Denken der Welt, in der James und Nyx leben, die Antwort eher in den Graustufen (oder der Dämmerung) zu suchen sein muss.Auf dieses Buch muss man sich durchaus einlassen. Zwar ist ein klarer Spannungsbogen vorhanden und es gibt auch immer wieder Szenen, in denen sich die Ereignisse überschlagen, dennoch ist das Buch über weite Strecken tatsächlich eher ruhig erzählt. Dazu kommen zahlreiche Sprünge zwischen der Jetzt-Zeit und der Vergangenheit der Protagonisten ansatzlose Sprünge in Traumwelten oder -Visionen, die eine gewisse Aufmerksamkeit erfordern. Zudem sind die Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt (die Kapitel sind jedoch mit den Namen überschrieben, was die Einordnung einfach macht). So wie die Protagonisten nach und nach hinter die Wahrheit kommen, so wird auch der Leser Stück für Stück mit Informationen gefüttert, d.h. ein wenig Geduld braucht es, um sich in das Konstrukt um die Welt der "Nightowls" hineinzudenken. Belohnt wird man mit einer fast schon philosophischen Idee und schönen Bildern. Ich habe noch nichts vergleichbares Gelesen, deshalb bin ich sehr begeistert.