Düsterer historischer Krimi mit sympathischen Figuren und spannendem True Crime Bezug, auch wenn die Auflösung recht vorhersehbar war.
Inhalt:Während die Stadt von einer grausamen Mordserie erschüttert wird, interessiert sich die siebzehnjährige Audrey Rose Wadsworth für Dinge, die für eine junge Frau ihrer gesellschaftlichen Stellung alles andere als üblich sind.Statt sich mit Kleidern, gesellschaftlichen Verpflichtungen und einer standesgemäßen Zukunft zu beschäftigen, zieht es Audrey Rose zur Rechtsmedizin. Heimlich unterstützt sie ihren Onkel bei Obduktionen und lernt dabei immer mehr über den menschlichen Körper und darüber, welche Spuren ein Verbrechen hinterlassen kann.Als mehrere Frauen auf brutale Weise ermordet werden und ganz London über den geheimnisvollen Jack the Ripper spricht, wird Audrey Rose immer stärker in die Ermittlungen hineingezogen. Gemeinsam mit dem selbstbewussten und ausgesprochen scharfsinnigen Thomas Cresswell beginnt sie, Zusammenhänge zu erkennen und eigene Nachforschungen anzustellen.Doch je mehr Audrey Rose über die Morde herausfindet, desto näher scheint die Gefahr zu kommen. Schon bald muss sie sich fragen, wem sie überhaupt noch vertrauen kann und ob der Täter vielleicht näher ist, als sie zunächst angenommen hat.Eigene Meinung:Schon allein der Titel hat mich bei diesem Buch direkt neugierig gemacht. Geschichten über wahre Kriminalfälle faszinieren mich schon lange und Jack the Ripper ist dabei natürlich ein Name, über den man immer wieder stolpert. Umso gespannter war ich darauf, wie Kerri Maniscalco diesen bekannten Fall in eine fiktive Handlung einbettet und welche eigene Interpretation sie daraus entstehen lässt.Auch die Autorin selbst stand schon länger auf meiner Leseliste, da ich über ihre Bücher bisher überwiegend positive Meinungen gehört hatte. "Stalking Jack the Ripper" war deshalb für mich die perfekte Gelegenheit, endlich einmal etwas von ihr zu lesen. Besonders die Kombination aus historischem Setting, Kriminalfall und Rechtsmedizin hat mich sofort angesprochen.Audrey Rose war mir von Anfang an sehr sympathisch. Sie weiß, was sie möchte, und lässt sich von den gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen nur wenig beeindrucken. Dabei wirkt sie aber weder hochnäsig noch unsympathisch. Genau das hat mir an ihr besonders gefallen. Sie verfolgt ihren eigenen Weg und möchte sich nicht einfach damit abfinden, dass andere über ihre Zukunft bestimmen.Sehr interessant fand ich auch ihren Wunsch, Rechtsmedizinerin zu werden. Gerade wenn man bedenkt, in welcher Zeit die Geschichte spielt, ist dieser Berufswunsch alles andere als selbstverständlich. Frauen hatten damals nur sehr begrenzte Möglichkeiten und mussten sich insbesondere im medizinischen Bereich gegen zahlreiche Vorurteile behaupten. Umso mehr mochte ich, dass Audrey Rose mit ihrem Onkel jemanden an ihrer Seite hat, der ihr Interesse ernst nimmt und sie darin unterstützt.Natürlich darf auch Thomas Cresswell nicht unerwähnt bleiben. Seine selbstbewusste Art und seine teilweise sehr direkten Kommentare sorgen immer wieder für unterhaltsame Momente. Besonders die Wortgefechte zwischen Audrey Rose und Thomas haben mir gefallen. Die beiden geben sich gegenseitig ordentlich Kontra und bringen dadurch etwas Leichtigkeit in die ansonsten sehr düstere Handlung. Gleichzeitig fand ich seine Beobachtungsgabe spannend. Thomas nimmt selbst kleine Details wahr und zieht daraus teilweise erstaunliche Schlüsse. Dadurch ergänzt er Audrey Rose bei den Ermittlungen sehr gut und ich mochte die Dynamik zwischen den beiden sehr.Auch das Setting im viktorianischen London hat mir gefallen. Die dunklen Straßen, die gesellschaftlichen Regeln und die Angst vor einem unbekannten Mörder greifen gut ineinander und verleihen der Geschichte eine düstere Atmosphäre. Besonders interessant fand ich den Kontrast zwischen der feinen Gesellschaft, in der Audrey Rose aufgewachsen ist, und der deutlich morbideren Welt der Gerichtsmedizin, zu der sie sich viel stärker hingezogen fühlt.Der eigentliche Kriminalfall rund um Jack the Ripper hat mir ebenfalls gut gefallen. Besonders spannend fand ich, wie die Autorin bekannte historische Ereignisse mit ihrer eigenen Geschichte verbindet. Dadurch erkennt man zwar einige Elemente wieder, trotzdem bleibt genug Fiktion übrig, um gemeinsam mit Audrey Rose und Thomas mitzuermitteln.Ganz überzeugen konnte mich der Spannungsaufbau allerdings nicht. Ich hatte relativ früh eine Vermutung, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte, und lag damit letztendlich auch nicht vollkommen falsch. Der große Überraschungsmoment blieb für mich dadurch etwas aus.Trotzdem wollte ich weiterlesen. Mich hat vor allem interessiert, wie Audrey Rose und Thomas die einzelnen Hinweise zusammensetzen und wie die Autorin ihre eigene Interpretation des Falls am Ende auflöst.Fazit:"Stalking Jack the Ripper" war für mich ein gelungener Einstieg in die Reihe und bietet eine interessante Mischung aus historischem Kriminalfall, Rechtsmedizin und einer kleinen Portion Romantik.Besonders Audrey Rose konnte mich als Protagonistin überzeugen. Ihre Begeisterung für Rechtsmedizin und ihre selbstbestimmte Art haben mir sehr gefallen. Auch Thomas und die Dynamik zwischen den beiden haben der Geschichte für mich viel Charme verliehen.Der Fall rund um Jack the Ripper war für mich als True Crime Fan natürlich besonders interessant. Zwar konnte ich recht früh erahnen, wohin sich die Geschichte entwickeln würde, wodurch mir am Ende etwas der große Überraschungsmoment fehlte, trotzdem hat mich die Handlung gut unterhalten.Für mich ist das Buch ein unterhaltsamer historischer Krimi mit sympathischen Charakteren und einem spannenden True Crime Bezug. Bei der Spannung wäre für mich zwar noch etwas mehr möglich gewesen, insgesamt bin ich aber neugierig auf die weiteren Bände der Reihe.