"Ich würde nie eine beste Freundin haben, mit der ich so eng wäre, dass wir unsere Namen in einem Akronym verschmelzen ließen. Ich würde nie die Anführerin einer Clique sein oder auch nur eine begehrte Followerin. Ich würde nie eine sein, für die andere einen Platz im Bus reservierten. Ich würde immer draußen sein, den Blick nach drinnen gerichtet." (S. 13)
Schon mit zehn Jahren hat Lillian erkannt, dass sie eine Außenseiterin ist. Mit 29 Jahren hat Lillian zwar einen Job, aber keine wahren FreundInnen. Einzig Jamie steht an ihrer Seite. Doch Lillian hat nur Interesse an ihrem "Freund" Henry, mit dem sie bisher eine lose Beziehung geführt hat. Als sie denkt, Henry würde endlich den nächsten Schritt in Richtung feste Beziehung wagen, macht er Schluss. Doch das lässt Lillian nicht auf sich sitzen und wendet anhand eines YouTube-Videos einen Schadenszauber an, der dafür sorgen soll, dass sie die letzte Person sein sollte, mit der Henry je zusammen war. Und das schafft Lilian auch, denn kurze Zeit später wird Henry tot aufgefunden und Lillian gilt zudem aufgrund ihrer letzten Nachricht an ihn als Hauptverdächtige. Statt sich im Leid der hinterbliebenen Exfreundin suhlen zu können, muss Lillian erfahren, dass sie nicht die einzige Frau an Henrys Seite war.
Und von da an blicken wir tief in die Gedanken- und Gefühlswelt von Lillian. Was sich da offenbart, habe ich nur mit ganz viel Kopfschütteln, ungläubigem Blinzeln und offen stehendem Mund ertragen. Ohne näher auf den Inhalt des Buches einzugehen wegen Spoiler und so, nur ein paar Worte zu Lillian:
Sie ist unsympathisch, fühlt sich anderen überlegen, nutzt ihre Mitmenschen aus, lügt sie an, belästigt sie, überschreitet Grenzen. Sie ist eine Narzisstin, unempathisch, manipulativ, einnehmend, misstrauisch, destruktiv, realitätsfremd, egoistisch, sie hat keine Selbstreflexion. Vielmehr versucht sie, Rechtfertigungen für ihre irrationalen Gedanken und Handlungen zu finden. Lillian neigt zu Gewaltfantasien, hat garantiert eine Persönlichkeitsstörung, flüchtet sich gern in die Opferrolle und braucht von allen Seiten Aufmerksamkeit. Außerdem trinkt sie zu oft und zu viel Alkohol, was für ihr Wesen nicht gerade förderlich ist.
Alles in allem ist Lillian eine toxische und anstrengende, aber auch eine spannende und unterhaltsame Protagonistin, deren Geschichte ich sehr gern verfolgt habe. Vor allem das Ende hat es in sich und habe ich so nicht erwartet.
Große Leseempfehlung für alle, die Lust auf eine Antiheldin haben.