Das Kleist-Handbuch will grundlegende Informationen zu Autor und Werk geben, gleichzeitig auch wissenschaftliche Ergenisse dazu präsentieren. Aus meiner Sicht des lesenden Laien gelang das hervorragend. Der Sonderausgabe gliedert sich in diese Kapitel: I. Leben und Werk II. Werke III. Konfigurationen: Epochen und Autoren IV. Kontexte: Quellen, Diskurse, kulturelle Codes V. Konzeptionen: Denkfiguren, Begriffe, Motive VI. Forschungsansätze VII. Rezeption und Wirkung VIII. Anhang mit 1. Auswahlbibliographie, 2. Archive, Nachlässe, Institutionen, 3. Die Autorinnen und Autoren, 4. Personenregister Die beiden ersten Kapitel sprechen für sich, ebenso VI. " VIII. Die drei dazwischen liegenden Kapitel sollen Leben und Werk aus unterschiedlichen Perspektiven weiter erschließen. Dazu wird in III. Kleist Stellungen innerhalb bestimmter Epochen dargestellt, dazu die Einflüsse anderer Autoren. Eigene Personenabschnitte haben Kant, Wieland, Goethe und Schiller. Im IV. Kapitel geht es um die für Kleist relevanten Diskurse seiner Zeit. Es hat folgende Abschnitte: 1. Adel und Adelskultur 2. Anthropologie 3. Ästhetik 4. Bildende Kunst 5. Medien 6. Militärwesen 7. Moralistik 8. Musik 9. Naturwissenschaften 10. Politik 11. Recht und Justiz 12. Religion und Kirche 13. Rhetorik 14. Sozietäten 15. Theater Im V. Kapitel schließlich geht es um Begriffe und Motive, die für Kleists Werke wichtig sind. Diese Gliederung schaut auf den ersten Blick umständlich aus, ist aber zum Nachschlagen hervorragend geeignet. Die Kleist-Leser greifen zuerst wohl nach den Erörterungen zu den Einzelwerken in Kapitel II. Diese Artikel sind gut strukturiert und informieren ausreichen zu Entstehung, Hintergründe und Themen. Jeder Werkartikel schließt mit einer guten Detailbibliografie. Germanisten werden ohne dieses Kleist-Handbuch nicht mehr auskommen. Doch auch für Lesefreunde bietet das Handbuch nahezu alles, das man als Hintergrund und zum Verständnis der gut konstruierten und oft rätselhaften Werke Kleists wissen will. Es macht darüberhinaus auch Laien mit der Forschung bekannt. In ihr geht es manchmal um die Aufschlüsselung und Interpretation einzelner Sätze wie diesem aus Das Bettelweib von Locarno: "Der Marchese, der, bei der Rückkehr von der Jagd, zufällig in das Zimmer trat, wo er seine Büchse abzusetzen pflegte, befahl der Frau unwillig [...] sich hinter den Ofen zu verfügen".Genauer geht es um das eine Wort "zufällig". Die Diskussion dazu wird vom Autor des Artikels (35. Zufall) Peter Schnyder so lebendig dargeboten, dass auch ich als Laie gefangen wurde. Die Sonderausgabe hat ein kaum schlagbares Preis/Leistungsverhältnis.