Atmosphärischer Alpen-Thriller mit beklemmendem Setting und solider Grundspannung.
Nach vielen Jahren kehrt die Ärztin Ellen Roth nach einer Trennung in ihren Geburtsort am Rande der Alpen zurück, um dort eine Hausarztpraxis zu übernehmen. Doch der Neuanfang steht unter keinem guten Stern: Schon kurz nach ihrer Ankunft wird der Sohn des Bürgermeisters tot an der örtlichen Skischanze aufgefunden - grausam hingerichtet mit einem Seil um den Hals. Der Tote ist kein Unbekannter, sondern steht in direkter Verbindung zu einem traumatischen Ereignis aus Ellens Jugend, das sie einst zur Flucht aus dem Dorf zwang. Als wenig später ein zweites Opfer entdeckt wird, reißt der Fund alte Wunden auf und lässt die verschwiegene Dorfgemeinschaft erzittern. Auf eigene Faust beginnt Ellen zusammen mit einem Journalisten nach der Wahrheit zu suchen, während das Misstrauen gegen sie wächst und die düsteren Abgründe der Vergangenheit schrittweise ans Licht drängen.Der Schreibstil besticht durch eine bildhafte, beklemmende Atmosphäre und kurze Kapitel, die für ein flüssiges Lesetempo sorgen. Die unheilvolle Kulisse des verschneiten Bergdorfs und das Geflecht aus Schweigen und verdrängter Schuld erzeugen von Beginn an eine greifbare Grundspannung. Die Erzählung verknüpft Rückblenden, Perspektivwechsel und Abschnitte aus der Sicht des Täters gekonnt miteinander. Auch wenn die privaten Ermittlungen stellenweise etwas konstruiert wirken und polizeiliche Arbeit kaum stattfindet, bleibt die Handlung durchgehend unterhaltsam. Die Vorhersehbarkeit einzelner Wenderscheinungen schwächt die Dynamik zwischendurch zwar ab, doch die dichte Stimmung gleicht dies größtenteils wieder aus.Mein Fazit: Ein solides und atmosphärisch starkes Thriller-Debüt, das vor allem durch sein unverbrauchtes Setting und die düstere Grundstimmung punktet. Auch wenn der Plot nicht in allen Punkten vollkommen überrascht, hat mich das Buch gut unterhalten. Ich selbst werde weiteren Werken des Autors definitiv wieder eine Chance geben.