Mit Die Villa beweist Markus Heitz, dass er es versteht, Spannung und eine spürbar düstere Atmosphäre geschickt zu verweben. Ich war sofort drin, denn schnell merkt man: In der alten Villa in Leipzig stimmt etwas nicht. Und zwar richtig.
Doreen ersteigert das Haus für einen unerwartet niedrigen Preis und zieht mit ihrer Tochter Marina ein. Anfangs sieht es tatsächlich so aus, als hätte sich ihr Glück endlich ausgezahlt. Plötzlich läuft vieles besser, als es jemals war. Aber mit der Zeit wird klar, dass dieses Glück nicht einfach da ist, sondern seinen Preis verlangt. Die Villa wirkt nicht wie ein gewöhnliches altes Gebäude, sondern wie etwas, das eigene Regeln hat und Forderungen stellt. Parallel verfolgt man Ethan in London, dessen Geschichte am Anfang noch völlig getrennt wirkt. Doch bald spürt man, dass die Stränge sich nicht ewig voneinander entfernen werden. Nach und nach greifen die einzelnen Teile ineinander.
Die Stimmung hat mir am besten gefallen. Heitz schafft es, eine Beklemmung aufzubauen, die lange nachwirkt, ohne auf billige Effekte zu setzen. Oft bleibt unklar, ob hinter einer zunächst ganz normalen Situation wirklich nur Alltag steckt oder ob gleich etwas Schlimmes bevorsteht. Genau dieses Gefühl zieht einen weiter. Dazu kommen immer wieder überraschende Wendungen, merkwürdige Vorkommnisse und eine Story, die spürbar an Spannung gewinnt, je weiter man liest.
Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und bildhaft, sodass man nicht viel Zeit verliert. Die Mischung aus düsterem Horror, Thriller-Elementen und gelegentlichen humorvollen Anspielungen fand ich passend. Die Villa selbst kommt dabei fast wie eine eigene Figur rüber: rätselhaft, unheimlich und trotzdem irgendwie fesselnd.
Ein paar Figuren haben mich nicht ganz abgeholt, und an manchen Stellen hätte ich mir gerne etwas mehr Hintergrund zur Geschichte der Villa gewünscht. Aber das hat mich nicht wirklich aus dem Konzept gebracht. Spannung und Atmosphäre haben vieles wieder wettgemacht.
Für mich ist Die Villa ein atmosphärischer, rasanter Horror-Thriller mit starken Haunted-House-Vibes, ein paar Momenten, die einem unangenehm nachgehen, und genug Geheimnissen, um bis zum Ende dranbleiben und mitraten zu wollen. Wer sich gerne in alten Gemäuern gruselt und Wert auf Spannung sowie unerwartete Wendungen legt, sollte dieses Buch auf keinen Fall verpassen. Am besten nicht allein im Dunkeln lesen.