Maxim Bönnemann bettet den Siegeszug der Sonderwirtschaftszone in eine entwicklungsökonomische Diskursgeschichte ein und zeigt am Beispiel Indiens, wie im Recht verschiedene Visionen von Entwicklung miteinander kollidieren. Indiens Charakter als postkolonialer Verfassungsstaat hat dabei eine Reihe schwerwiegender Konflikte sowohl befeuert als auch begrenzt. Denn im indischen Recht lässt sich nicht nur dem langen Schatten des Kolonialismus nachspüren, sondern auch einem Versprechen tiefgreifender demokratischer und sozialer Transformation.
The number of special economic zones around the globe has exploded, particularly in the Global South. As "islands of modernity", they promise jobs, economic growth, and even a revolution of governance structures. Maxim Bönnemann embeds the triumph of the special economic zone within a particular discourse in development economics and uses the example of India to demonstrate the central role of the law. While India's special economic zones were initially tainted with a vague promise of development, their rapid spread quickly led to serious distributive and institutional conflicts, in which different visions of development collided. These conflicts, the author argues, have been both fuelled and defused by the ambivalence of postcolonial constitutionalism in India. For constitutionalism in India not only bears the long shadow of colonialism, but also the prospect of a profound democratic and social transformation. Sonderwirtschaftszonen gelten als entwicklungsökonomisches Zauberinstrument. Als "Inseln der Moderne" sollen sie Arbeitsplätze schaffen, Wachstum generieren und Verwaltungsstrukturen revolutionieren. Insbesondere im Globalen Süden hat dieses Versprechen zu einer regelrechten Explosion der Zahl von Sonderwirtschaftszonen geführt. Maxim Bönnemann bettet den Siegeszug der Sonderwirtschaftszone in eine entwicklungsökonomische Diskursgeschichte ein und zeigt am Beispiel Indiens die zentrale Rolle des Rechts auf. Waren Indiens Zonen zunächst noch mit einem ebenso vagen wie allgemeinen Entwicklungsversprechen behaftet, so führte ihre sprunghafte Verbreitung schnell zu schwerwiegenden Verteilungs- und Institutionenkonflikten, in denen ganz unterschiedliche Visionen von Entwicklung miteinander kollidierten. Jene Konflikte sind durch Indiens ambivalenten Charakter als postkolonialer Verfassungsstaat sowohl befeuert als auch entschärft worden. Denn dem indischen Verfassungsstaat wohnt nicht nur der lange Schatten des Kolonialismus inne, sondern auch die Aussicht auf eine tiefgreifende demokratische und soziale Transformation.
Die Arbeit wurde mit dem Promotionspreis der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin 2022 als beste Dissertation im öffentlichen Recht ausgezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel 1 - " Inseln der Moderne" : Sonderwirtschaftszonen als Steuerungsinstrument des Globalen Südens
A. Was sind und zu welchem Zweck gibt es Sonderwirtschaftszonen?
B. Genealogie und Kontext: Eine kurze Ideengeschichte der Zone
C. Das Recht der Sonderwirtschaftszonen
D. Zwischenergebnis
Kapitel 2 - Dichte Verwaltung: Der Special Economic Zones Act
A. Analyserahmen: Der postkoloniale Verfassungsstaat
B. Genealogie und Kontext: Von der Policy zum Gesetz
C. Indiens Zonenrecht: Verwaltungsstruktur und Steuerungsinstrumente
D. Zwischenergebnis
Kapitel 3 - Konsens, Kooperation, Konflikt: Die Zone im föderalen Bundesstaat
A. Zum Spannungsverhältnis von SEZ Act und Föderalaufbau
B. Föderale Variationen: Zum Verhältnis von Landes- und Bundesebene
C. " Islands outside constitutionally elected governments" : Zum Verhältnis von Lokal- und Landesebene
D. Zwischenergebnis
Kapitel 4 - Metamorphosen des Gemeinwohls: Die Zone als öffentlicher Zweck
A. Von Narmada bis Nandigram: Indiens Landkriege
B. Privatisierung der Zwecke: Die Rolle der Judikative
C. Prozeduralisierung der Zwecke: Die Rolle der Legislative
Schlussbetrachtung und Ausblick
Epilog