Das Buch Ich lass dich los und geb dir Halt von Melanie Klefeldt hat mich wirklich tief berührt. Beim Lesen hatte ich ständig das Gefühl, endlich jemand versteht, wie sich das Leben mit einem autistischen Teenager anfühlt. Diese Mischung aus Sorge, Hoffnung, Erschöpfung und ganz viel Liebe genau so sieht unser Alltag oft aus. Es tut gut, wenn jemand so klar beschreibt, wie widersprüchlich diese Phase sein kann: Man soll loslassen und gleichzeitig Halt geben, man möchte Vertrauen schenken und trotzdem schützen.
Was mich besonders abgeholt hat, sind die vielen praktischen Ideen für den Alltag. Struktur, klare Absprachen, kleine Hilfen wie Listen oder Timer Dinge, die simpel wirken, aber im echten Familienchaos unglaublich viel bewirken können. Und auch wir Eltern kommen nicht zu kurz. Oft funktionieren wir nur noch, ohne wirklich bei uns selbst anzukommen. Das Buch erinnert daran, dass wir selbst Kraft brauchen, um unseren Kindern Halt zu geben.
Die Autorin erklärt Autismus, ADHS und Pubertät warmherzig, humorvoll und mit viel Wertschätzung. Man merkt, dass sie sowohl fachlich als auch persönlich weiß, wovon sie spricht. Sie zeigt, dass unsere Kinder nicht schwierig oder falsch sind, sondern einfach anders ticken mit einem eigenen Betriebssystem. Und dass sie Eltern brauchen, die bleiben, gerade dann, wenn sie sich lösen.
Besonders hilfreich fand ich die vielen Formulierungshilfen und Reflexionsfragen. Sie geben Sicherheit, wenn Gespräche schwierig werden oder man selbst nicht mehr weiß, wie man etwas ansprechen soll. Auch die Themen Mediennutzung, Stressregulation, Struktur und Kommunikation sind sehr praxisnah beschrieben. Es geht nicht um Patentrezepte, sondern um Orientierung und Mut.
Was mir hängen geblieben ist: Der wertschätzende Blick auf die Stärken der Jugendlichen. Im stressigen Alltag sieht man so schnell nur das, was nicht funktioniert. Klefeldt schafft es, den Blick wieder zu weiten und uns daran zu erinnern, wie viel Potenzial in unseren Kindern steckt.