Abgestellte MI5-Agenten, schwarzer britischer Humor und ein Fall, der im Chaos endet ¿ natürlich.
Jackson Lamb bleibt widerlich. Und genial.
Tatsächlich handelt es sich hier bereits um den achten Band der Reihe - was mich selbst ein wenig überrascht hat. Umso größer war meine Vorfreude, wieder nach Slough House zurückzukehren. Ich liebe diese Protagonisten, obwohl - oder gerade weil - sie größtenteils alles andere als liebenswert sind. Genau das macht den Reiz der Serie aus: unangepasst, oft unangenehm, jeder mit seinen eigenen Macken und Problemen. Echte Agenten sind sie längst nicht mehr. Die Slow Horses sind ausgemusterte MI5-Mitarbeiter, die im Slough House ein frustrierendes Bürokratie-Dasein fristen. Und trotzdem stolpern sie immer wieder in neue Fälle, werden gebraucht - und geben einfach nicht auf.Diesmal verschwindet eine wichtige Mitarbeiterin des Premierministers. Ausgerechnet Claude Whelan wird damit beauftragt, sie aufzuspüren. Man vermutet, dass sie vom MI5 versteckt wird. Whelan - aus früheren Bänden bekannt - war einst der Vorgänger von Diana Taverner und ist bis heute so etwas wie ihr Erzfeind. Doch seine Spur verliert sich im Regent's Park, Taverner zieht ihre eigenen Schlüsse, und wie so oft landet der Fall schließlich bei Jackson Lamb und seinen "abgestellten" Agenten.Parallel verfolgen die Slow Horses eine eigene Spur, die zu einer ehemaligen KGB-Agentin aus Zeiten des Kalten Krieges führt. Als Serienkenner weiß man: Auch wenn es am Ende irgendwie gut ausgeht, geschieht das garantiert nicht ohne Chaos, Kollateralschäden und jede Menge Desaster. Die Handlung entwickelt sich hier Schlag auf Schlag - neue Erkenntnisse werfen alte über den Haufen, alles gerät ständig in Bewegung. Dazu kommen der gnadenlose britische Humor, tiefschwarze Boshaftigkeit und brillante Dialoge.Dass ausgerechnet der widerliche Jackson Lamb am Ende stets den Überblick behält - und seine Ekelhaftigkeit letztlich nur seine Genialität tarnt - ist nichts Neues, funktioniert aber immer noch hervorragend.Ich liebe die Serie weiterhin sehr, auch wenn mir in diesem Band River Cartwright ein wenig gefehlt hat. Dafür ist mir Louisa inzwischen sehr ans Herz gewachsen. Und auch Shirley, so problematisch sie auch ist, bleibt eine verdammt coole Agentin.Ich werde der Reihe definitiv treu bleiben - für mich funktioniert Slow Horses auch im achten Band noch einwandfrei.