Damon überrascht positiv, Winter überzeugt. Insgesamt konnte mich der Vorgänger aber deutlich mehr begeistern.
Nach dem zweiten Band, der bisher mein persönlicher Favorit der Reihe ist, habe ich mich natürlich auch auf Kill Switch gefreut. Gleichzeitig war ich aber gespannt, wie Penelope Douglas ausgerechnet Damon als Hauptfigur umsetzen würde. Schließlich war er bislang die Hassfigur schlechthin. Trotz seiner schwierigen Vergangenheit waren viele seiner Handlungen in den vorherigen Bänden kaum zu entschuldigen und ich konnte mir lange nicht vorstellen, wie man aus ihm einen Charakter machen soll, mit dem man wirklich mitfiebert.Überraschenderweise ist genau das gelungen.Damon bekommt in diesem Band deutlich mehr Tiefe und seine Geschichte hilft dabei, viele seiner Verhaltensweisen besser zu verstehen. Besonders gefallen hat mir, dass seine Entwicklung nicht einfach daherkommt, sondern dass er sich mit seinen Fehlern auseinandersetzen muss. Dadurch wurde er für mich nach und nach greifbarer und letztlich sogar sympathisch.Auch Winter hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Sie ist eine starke Persönlichkeit, die sich trotz ihrer Blindheit nicht über ihre Einschränkung definiert. Statt in Selbstmitleid zu versinken oder sich in eine Opferrolle drängen zu lassen, bleibt sie selbstständig, selbstbewusst und verfolgt weiterhin ihre Leidenschaft fürs Tanzen. Es war schön, einmal eine Liebesgeschichte zu lesen, in der eine Person mit Behinderung eine so zentrale Rolle spielt.Die Beziehung zwischen Damon und Winter gehört für mich definitiv zu den Stärken des Buches. Ihre gemeinsame Vergangenheit wirft viele Fragen auf, die nach und nach beantwortet werden. Dadurch versteht man mit der Zeit immer besser, warum ihre Verbindung so kompliziert ist und weshalb zwischen ihnen gleichzeitig Hass, Anziehung, Schuldgefühle und tiefe Verbundenheit existieren.Trotzdem konnte mich Kill Switch nicht so sehr überzeugen wie sein Vorgänger. Vor allem der Einstieg fiel mir überraschend schwer. Ich hatte öfter das Gefühl, dass mir Informationen fehlen oder dass Zusammenhänge vorausgesetzt werden, die vorher nicht ausreichend erklärt wurden. Dazu kamen die vielen Zeitsprünge, bei denen ich stellenweise den Überblick verloren habe.Generell war mir das Buch auch einfach zu lang. Viele Kapitel ziehen sich und besonders im Mittelteil hatte ich mehrfach das Gefühl, dass die Handlung kaum vorankommt. Erst im letzten Viertel nimmt die Geschichte für mich richtig Fahrt auf und entwickelt die Spannung, die ich mir deutlich früher gewünscht hätte.Auch mit dem Ende bin ich nicht ganz warm geworden. Zwar fand ich Damons Entwicklung insgesamt glaubwürdig, aber einige Aspekte seines Happy Ends wirkten auf mich etwas konstruiert und wollten nicht so recht zu dem Bild passen, das ich während der Reihe von ihm entwickelt hatte.Am Ende bleibt für mich ein guter Band mit interessanten Figuren und einer gelungenen Charakterentwicklung. Damon hat mich deutlich positiver überrascht als erwartet und Winter gehört für mich sogar zu den stärkeren Protagonistinnen der Reihe. Trotzdem reichen die vielen Längen, die teilweise verwirrende Erzählweise und das für mich nicht ganz stimmige Ende dafür aus, dass Kill Switch hinter meinem bisherigen Lieblingsband zurückbleibt. Trotzdem hat die Geschichte etwas an sich, das dafür sorgt, dass man einfach weiterlesen möchte.