Sweet Plot Twist von Philippa L. Andersson ist der zweite Band der Reihe rund um Blueberry Lake und hat mich nach Band 1 echt überrascht: Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.Gracie kennen wir bereits als Savennas Lektorin. Nach ihrem Armbruch holt Savenna sie nach Blueberry Lake, ohne zu wissen, dass Gracie dort aufgewachsen ist - und Dylan, Savennas Fast-Schwager, ihre große Jugendliebe ist. Vor acht Jahren wurden die beiden durch die Scheidung von Gracies Eltern getrennt und glaubten danach jeweils, der andere hätte den Kontakt abgebrochen. Jetzt steht Gracie plötzlich wieder vor Dylan, der nie aufgehört hat, sie zu lieben.Ich liebe beide Charaktere. Dylan ist ein absoluter Golden Retriever und gleichzeitig gerade in der ersten Hälfte so fucking übergriffig, dass ich ihm mehrfach gerne eine reingehauen hätte. Gracie sagt ihm immer wieder, dass sie in Ruhe gelassen werden möchte, während er ihre Grenzen ignoriert. Besonders seine Aussage, ihr Nein sei nur ein "butterweiches Nein", hat mich massiv gestört. Ein ausgesprochenes Nein bleibt für mich erst einmal ein Nein.Trotzdem kann ich Dylan nicht böse sein. In seinen POVs habe ich wahnsinnig mit ihm mitgelitten und gleichzeitig konnte ich Gracie vollkommen verstehen. Beide sind so wundervoll geschrieben, dass ich für beide unabhängig voneinander Partei ergreifen konnte und eigentlich nur darauf gewartet habe, wann sie es endlich schaffen, sich respektvoll auszusprechen. Gracies Wut auf Dylan und gleichzeitig diese unglaubliche Sehnsucht nach ihm fand ich dabei richtig gut dargestellt. Als schließlich herauskommt, warum sie damals wirklich den Kontakt verloren haben, ergibt vieles ein ganz anderes Bild.Auch bei der Szene, in der Gracies Laptop den Geist aufgibt, war ich komplett zwiegespalten. Ihre Deadline und damit ihr Job stehen auf dem Spiel und Dylan weigert sich, ihr zu helfen, bis sie zugibt, dass sie ihn liebt. Einerseits: ENDLICH SAG ES IHM! Gleichzeitig war ich richtig wütend, weil sie ihn in diesem Moment wirklich brauchte.Irgendwann verwandelt sich das Buch dann in eine der kitschigsten Love Storys, die ich je gelesen habe - und ich liebe jede verdammte Sekunde. Es ist hemmungslos romantisch, vollkommen drüber und einfach sweet. Der Titel könnte kaum besser passen.Am härtesten getroffen hat mich allerdings Gracies Mutter. Sie lebt allein in New Orleans und ist nach einer Hüft-OP auf Hilfe angewiesen. Gracie hat deshalb eine Frau bezahlt, die einkaufen, Wäsche machen und putzen sollte, tatsächlich aber irgendwann nur noch Essen vorbeibringt. Als Gracie und Dylan nach New Orleans fahren, finden sie eine verwahrloste Wohnung voller Fliegen vor. Es gibt keine Seife mehr und ihre Mutter faltet sogar ihre dreckige Wäsche zurück in den Schrank, weil sie keine saubere mehr hat. Trotzdem hat sie Gracie nichts gesagt, weil sie ihre Tochter nicht belasten wollte. Die Vorstellung, zu glauben, ein geliebter Mensch sei gut versorgt, während es ihm in Wahrheit so geht, ist für mich der absolute Horror. Dieses Kapitel hat mich emotional am meisten getroffen.Zum Ende hin dreht sich dann immer mehr um Familie und das Buch wird nur noch sweeter. Als Gracie Gefahr läuft, ihre Deadline nicht einzuhalten und ihren Job zu verlieren, sorgt am Ende ganz Blueberry Lake dafür, dass sie es doch schafft. Denn genau das ist Blueberry Lake im Endeffekt: eine riesengroße Familie.Vor allem liest sich Sweet Plot Twist so viel besser als Band 1. Während ich mich dort teilweise durch die Seiten gekämpft habe, war ich hier wieder bei meinem normalen Lesetempo. Die Geschichte startet direkt bei 100 Prozent und war für mich ein absoluter Page Turner. Ich habe an einem Abend rund 250 Seiten gelesen und nur aufgehört, weil der Akku meiner Leselampe leer war.Trotz der Momente, in denen Dylan mich wahnsinnig gemacht hat, ist Sweet Plot Twist mit riesigem Abstand der stärkere Band. Sweet, kitschig, cozy, ganz viel Liebe und noch mehr Familie - ein richtig schönes Wohlfühlbuch.