Rachel Woods Roman wirkt am Anfang wie eine typische romantische Office-Story, aber ziemlich schnell merkt man, dass da deutlich mehr dahintersteckt. Es geht hier eigentlich weniger um die Handlung selbst, sondern viel mehr darum, wie Annie die Welt sieht und wie sehr sie sich dabei manchmal täuscht.
Annie ist nämlich eine super spannende Hauptfigur, weil sie denkt, sie hat alles komplett im Griff. Sie hält sich für kompetent, aufmerksam und anderen oft einen Schritt voraus. Aber je weiter man liest, desto mehr merkt man: ganz so stimmt das nicht. Besonders diese 24-Stunden-Challenge, bei der sie ein Problem lösen will, zeigt ziemlich gut, wie sehr sie sich selbst überschätzt. Und genau das macht das Buch so interessant; man liest nicht nur, was passiert, sondern merkt ständig, dass Annies Sicht nicht ganz zuverlässig ist.
Connor ist dazu der perfekte Gegenpol. Er ist ruhig, wirkt oft entspannt, aber gleichzeitig merkt man schnell, dass er wirklich Ahnung hat von dem, was er tut. Während Annie viel analysiert und sich selbst überzeugt, zeigt Connor einfach durch sein Verhalten und Können, dass er kompetent ist. Gerade in Arbeitssituationen wird das deutlich. Gleichzeitig ist er aber nicht langweilig oder perfekt; er hat auch diese leicht unnahbare Art, die ihn spannend macht.
Die Dynamik zwischen Annie und Connor ist auch nicht diese typische sofortige Liebesgeschichte. Es ist eher ein Mix aus Spannung, Konkurrenz und Anziehung. Annie ist dabei nicht einfach nur verliebt; sie steigert sich ziemlich rein, interpretiert viel und will irgendwie die Kontrolle behalten, auch emotional.
Was ich auch richtig gut fand, sind die Nebenfiguren. Die fühlen sich nicht wie Deko an, sondern haben alle ihre Rolle im Gesamtbild.
Ben ist so der nette Kollege, aber vor allem interessant, weil Annie versucht, ihn mit Carrie zu verkuppeln. Das zeigt ziemlich gut, wie Annie denkt: Sie behandelt Beziehungen fast wie ein System, das man planen und steuern kann. Natürlich funktioniert das nicht wirklich und genau das merkt man im Verlauf immer mehr.
Carrie fand ich richtig stark. Sie wirkt viel entspannter als Annie und bewegt sich total natürlich im Umgang mit anderen. Man merkt auch, dass Annie sich mit ihr vergleicht, auch wenn sie das nicht direkt zugibt. Carrie ist irgendwie das, was Annie gerne wäre, ohne dieses ständige Overthinking.
Martin und John bringen diese typische Büro-Dynamik rein. Ihre Chats, Kommentare und teilweise echt fragwürdigen Tipps sind oft witzig, aber auch ziemlich realistisch. Gleichzeitig zeigen sie auch, wie oberflächlich viele Interaktionen im Arbeitsumfeld eigentlich sind.
Sam bringt nochmal eine andere Perspektive rein: direkter, weniger verkopft und ein bisschen frecher. Durch sie merkt man auch nochmal stärker, wie eingeschränkt Annies Blick auf die Dinge manchmal ist.
Auch wenn Figuren wie Dan oder Annies Familie nicht super viel Raum bekommen, haben sie trotzdem eine wichtige Funktion. Gerade ihre Eltern und ihre Schwester stehen so ein bisschen für Erwartungen und Prägungen, die Annie beeinflussen, auch wenn das nicht direkt im Fokus steht. Man merkt einfach: Für Annie dreht sich sehr viel um Arbeit und darum, wie sie dort wahrgenommen wird.
Der Schreibstil ist insgesamt echt angenehm. Viel Dialog, relativ schnell zu lesen, oft witzig und manchmal auch ziemlich bissig. Gerade diese Mischung aus Humor und leicht unangenehmen Momenten (weil Annie sich manchmal selbst ein Bein stellt) macht das Ganze sehr unterhaltsam.
Für mich ist das Buch viel mehr als nur eine Romcom. Es ist eigentlich eine Geschichte darüber: wie wir uns selbst sehen, wie wir von anderen wahrgenommen werden und wie groß der Unterschied dazwischen sein kann.
Was ich besonders mochte: Annie ist keine perfekte Hauptfigur. Sie ist manchmal anstrengend, überschätzt sich und liegt oft daneben, aber genau das macht sie realistisch. Und die Liebesgeschichte zwischen ihr und Connor war auch entzückend!