Dr Sophia Wilk- Vollmann ist Militärärztin und plastische Chirurgin. Als ich das zum ersten Mal las, dachte ich, sie kümmert sich als plastische Chirurgin um die von Bomben und Schrapnellen entstellten Menschen. Das erschien mir am logischsten. Doch da musste ich mir an die eigene Nase fassen und meine eigenen Vorurteile beiseiteräumen, denn plastische Chirurgie kann genauso lebensrettend sein wie ihre Arbeit als Militärärztin. Die Autorin zeigt uns ganz deutlich auf, dass wir oft zu schnell urteilen, ohne die jeweiligen Beweggründe zu kennen und so habe ich bei der Lektüre des Buches gerade in den Erfahrungsberichten einige neue Sichtweisen kennengelernt, die meinen Horizont definitiv erweitert haben.
Dr Sophia Wilk-Vollmann schreibt unglaublich gut und beherrscht nicht nur die plastische Chirurgie, sondern auch die plastische Ausdrucksweise. Ich habe oft genickt, viele Stellen vorgelesen und auch unterstrichen. Einige meiner Unterstreichungen sind:
Mit Gelmodellage kämpfen wir keine Kriege, aber Kriege kämpfen wir für Gelmodellage
Normalität ist ein Geräusch, an das man sich gewöhnen muss
Die Spitze der moralischen Pyramide steht nur zur Diskussion, wenn die Basis erfüllt ist
Gerade Letzteres ist in einer Zeit, in der wir auf social media perfekte Leben von perfekten Menschen sehen, die über jede nicht perfekte Tat urteilen, ein so wichtiger Leitspruch.
Mich hat dieses Buch wirklich überzeugt und mir Einblicke in ein wirklich interessantes Leben gegeben. Ich ziehe vor dieser Ärztin meinen Hut.