Band 2 der deutschen Printausgabe von "Checkmate" enthält die Kapitel 14 bis 25 des Comics.Ich fremdele nach wie vor mit der Geschichte. Auch Band 2 hat mich nicht überzeugt. Mehr als drei Sterne kann ich auch diesmal nicht vergeben, und selbst das kostet mich einiges an Überwindung. Die beiden Protagonisten, zum einen der Reporter Suhyeon, zum anderen der in seiner Karriere ausgebremste Nachwuchskünstler Eunseong, sind mir unsympathisch. Die Szenen, in denen beide miteinander interagieren, sind - ich kann es nicht anders ausdrücken - unerquicklich. Da die Künstlerin-Autorin auf Rückblenden verzichtet, bleiben die zwei Männer flache, eindimensionale Figuren ohne Biographie. Informationen über ihr Vorleben erhalten wir in diesem Band nicht. Der Groll gegen Eunseong, den Suhyeon zu Schulzeiten entwickelt hat, ist in seiner Intensität und Hartnäckigkeit unverständlich, schwer nachzuvollziehen. Es ist nicht erkennbar, ob sich aus Suhyeons Stellung als ewige "Nummer zwei" in Eunseongs Schatten handfeste Nachteile ergeben haben. Seit der gemeinsamen Schulzeit sind bereits zehn Jahre vergangen. Was sich in dieser Zeit zugetragen hat, bleibt unklar. Das gilt insbesondere für den Skandal, in den Eunseong als Schüler des bekannten Künstlers Munseob Park verwickelt war. Zwar wird der Skandal auch in diesem Band thematisiert; dargestellt - in Form einer Rückblende - wird er jedoch nicht. Suhyeon und Eunseong wirken trotz ihres Alters von fast 30 Jahren sozial unreif. Suhyeon ist ein Einzelgänger, scheint kein Privatleben zu haben. An Eunseongs Lebenssituation ist manches rätselhaft. Als Spross einer begüterten Familie hat er es eigentlich nicht nötig, sich im Kunstbetrieb mühsam hochzuarbeiten. Eunseong führt ein fürstliches, sorgenfreies Leben, bewohnt ein riesengroßes, weitläufiges Luxus-Apartment, in dem man sich leicht verlaufen kann (siehe z.B. S. 148). Diese opulenten Lebensverhältnisse sind den anderen Figuren keinen Kommentar wert. Zu Eunseongs "Hofstaat" gehört Seojun, der gemeinsam mit Eunseong und Suhyeon die Schule besucht hat. Seojun empört sich erneut darüber, dass Suhyeon noch immer von Eunseong "besessen" sei (Kap. 21). Aber warum hält er selbst sich zehn Jahre nach der Schule in Eunseongs Dunstkreis auf? Was ist er für Eunseong - ein Kumpel, ein gelegentlicher Lover, ein Faktotum? Diese Frage möchte ich gerne beantwortet sehen.Suhyeon und Eunseong schließen ein Zweckbündnis, um gemeinsam gegen den Künstler Park vorzugehen. Sie verbünden sich widerwillig, da sie einander nicht ausstehen können. Sie belauern sich gegenseitig; ein gereizter Tonfall prägt ihre Kommunikation. Einmal mehr erweist sich Eunseong als wendig, unberechenbar, rhetorisch überlegen. Eine unangenehme Eigenschaft ist seine Lust am Fummeln, die geradezu zwanghaft wirkt. Er bedrängt und begrabscht Suhyeon mehrfach (Kap. 16 und 19). Der Reporter hat Mühe, sich dieser Zudringlichkeiten zu erwehren. Er will keinen Körperkontakt mit Eunseong, und es stellt sich die Frage, ob er, der so scheu und introvertiert ist, überhaupt schon einmal mit einem Menschen intim war. Die Geschichte verändert ihre Stoßrichtung: Ging es anfangs um Suhyeons Bedürfnis, den einstigen Rivalen zu demontieren und zu demütigen, so nehmen die beiden Männer nun eine Kampagne gegen Park in Angriff. Der in Band 1 geweckte Verdacht bestätigt sich auf verstörende Weise. In zwei ausgesprochen widerwärtigen Szenen wird gezeigt, was Park mit seinen Schülerinnen und Schülern anstellt (Kap. 16 und 18). Auch Eunseong gehörte in der Vergangenheit zu seinen Opfern. Das Thema Machtmissbrauch im Kunstbetrieb finde ich weitaus interessanter als Suhyeons Streben nach Vergeltung. Im Moment ist mir nicht klar, wie das Vorgehen gegen Park Suhyeon dem Ziel näherbringt soll, Eunseong zu schaden. Wahrscheinlich geht es Suhyeon erst einmal darum, sich einen festen Platz in Eunseongs Leben zu erschleichen, von dem aus er alles Weitere planen kann. Ich habe den Eindruck, Suhyeon überschätzt sich. Die Fähigkeit zur gerissenen Intrige, zum perfiden Doppelspiel traue ich ihm nicht zu. Er bildet sich ein, die "Schachpartie", die er begonnen hat, laufe ganz nach seinen Vorstellungen ab (S. 40/41). Es könnte sich aber bald herausstellen, dass Suhyeon weder dem quecksilbrig-charmanten Eunseong noch dem abgefeimten Wüstling Park gewachsen ist.