Man schlägt ein Buch auf, und manchmal packt eines ein kleines Detail. Hier ist es der Kontrolleur Anton Gasser, der Thonet-Stühle erkennt und keine Hussen mag. Und die mag ich auch nicht, und schon fühlt man sich verstanden.
Anton Gasser macht allerdings im Kühlraum eines Münchner Sterne-Restaurants einen üblen Fund: Kokain. Und kurz danach wird ein junger Koch dieses Restaurants tot aufgefunden und nun betritt Kriminalrat Schönheit die Bühne.
Benedict Schönheit ist und bleibt ein Stenz, aber einer von der liebenswerten und vor allem der kultivierten Art. Er schätzt gutes Essen und ist mit allen guten Köchen per Du, er kennt noch den Handkuss, und er ist (und isst) großzügig. Er liebt das noble understatement, wenn er mit einem alten Roadster durch die Gegend fährt, und zugleich schätzt er berühmte Marken, denn natürlich ist sein Rad ein Cinelli-Rad. Was er damit in der Stadt will, erschließt sich mir zwar nicht, aber diese Frage ist bei einem solchen Rad unangebracht.
Schönheits Fall weitet sich sehr schnell aus, und er findet sich wieder in einem undurchsichtigen Geflecht aus Drogenkartellen, Bandenkriminalität, Geldwäsche, mafiösen Strukturen und alten Liebesangelegenheiten. Das Figurenensemble erweitert sich ebenso schnell, und als Leser muss man aufpassen, den Überblick nicht zu verlieren. Schönheit hält jedenfalls die Fäden der Ermittlung souverän und zielsicher in der Hand. Er arbeitet kollegial mit seinen Ermittlern zusammen, die er mit unzähligen Espressi bei Laune hält, wobei die Ermittlungen eher altmodisch ablaufen: Schönheit hört zu, fragt nach und kombiniert, und damit zwingt er den Leser ebenfalls zum Mitdenken. Reißerische Aktionen sind nicht sein Ding. Und wie wohltuend: er hat Manieren, Taktgefühl, Mitleid und vor allem Moral, das Häkeldeckchen der Philosophie, und das macht den Stenz zu einer ausgesprochen liebenswerten Ermittlerfigur.
Bis auf eines: wieder droht er einem seiner Kollegen mit der Versetzung nach Plattling in Niederbayern. Ts ts ts!! Herr Schönheit, kennen Sie Niederbayern? Auch hier ist (leider) für kriminalistische Kurzweil gesorgt, und Sterneköche gibt es auch.
Fazit: ein intelligenter, gradlinig erzählter Krimi mit einer originellen Ermittlerfigur!