Bei Harads wird im Fluss eine männliche Leiche gefunden. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um einen Geflüchteten handelt, der im nahe gelegenen Abschiebelager lebte und kurz zuvor eine Aufenthaltserlaubnis erhalten hat. Die Ermittler Idun Lind und Calle Brandt stoßen bei ihren Nachforschungen jedoch auf hartnäckiges Schweigen und verschlossene Türen. Gleichzeitig kämpft die junge Nadira in Syrien ums Überleben und wagt eine riskante Flucht, bei der jeder Schritt zur Bedrohung werden kann.
"Sturmschreie" ist der 4. Band der Reihe mit dem Ermittler-Team Idun Lind und Calle Brandt. Es empfiehlt sich die Vorgängerbände zu kennen, da die Story nahtlos an die Vorgänger anknüpft. Bei mir waren die Vorgänger nicht mehr so präsent, daher fiel mir der Einstieg etwas schwer. Leider gibt es auch keine Rückblenden oder Einwürfe zu Iduns privater Geschichte. Somit fällt es schwer direkt wieder eine emotionale Verbindung zu ihr aufzubauen, obwohl sie als Figur weiterhin sympathisch und greifbar bleibt. Ihr Partner Calle bleibt weiterhin sehr blass. Über ihn erfährt man nach wie vor wenig, sodass seine Rolle eher funktional bleibt und emotional kaum Tiefe gewinnt.
Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven im Wechsel erzählt. Dadurch ist es abwechslungsreich und vielschichtig. Überraschende Wendungen sorgen für Spannung. Die Perspektive von der jungen Syrerin Nadira ist der zentrale Schlüssel zur Handlung und verknüpft viele der thematischen Fäden. Jedoch bleibt diese Perspektive auf einer gewissen Distanz und wird nicht so emotional zugänglich. Die Cliffhänger an den Kapitelenden animieren zum Weiterlesen. Gleichzeitig gibt es aber Passagen, in denen sich die Handlung spürbar zieht. Diese Längen bremsen den Lesefluss. Zudem verlieren sich manche angeschnittenen Aspekte im Verlauf und werden nicht weitergeführt.
Der Schreibstil bleibt angenehm flüssig und gut lesbar. Es wird ein brisantes, gesellschaftlich relevantes Thema aufgegriffen: Flüchtlinge, Asyl und Abschiebungen. Diese Thematik verleiht der Handlung Aktualität.
Mein Fazit:
Dieser Teil der Reihe konnte mich leider nicht ganz so überzeugen wie die Vorgänger. Obwohl der Fall spannend war, hatte mir die Handlung zu viele Längen und konnte mich nicht so emotional erreichen. Außerdem gab es zu viele Aspekte, die einfach nicht weiterverfolgt wurden. Trotzdem recht lesenswert für alle, die Iduns Geschichte weiterverfolgen wollen.