Familienromane sind ein ganz besonderes Genre. Sie sind vielschichtig und fangen menschliche Beziehungen oft sehr gut ein. Neben familiären Dynamiken erfährt man auch viel Geschichtliches. Denn meistens erstrecken sich Familiensagas über mehrere Generationen. In unserer Auswahl haben wir Ihnen unsere 10 liebsten Familienromane zusammengetragen.
1. Anna Hope: Wo wir uns treffen
(164Bewertungen)15
Buch (gebunden)
25,00 €
Darum geht es: Als der Egomane Philip Brooke stirbt, kommen seine Kinder Frannie, Milo und Isa für fünf Tage auf dem gewaltigen Familienanwesen in Sussex zusammen. Haupterbin Frannie hat hier vor Jahren die Führung übernommen. Sie will die Ländereien renaturieren und für ihre siebenjährige Tochter eine Zukunft schaffen. Doch der unstete Milo hat andere Pläne - und den Segen seines Vaters dafür. Isa kämpft gegen innere Dämonen, sie hat die Tochter von Philips langjähriger Geliebter zur Beerdigung eingeladen. Und die kennt das wahre Erbe der Brookes aus den Zeiten des Empire.

Darum lieben wir dieses Buch: "Wo wir uns treffen" ist ein klug komponierter Familienroman über die Beziehungen, die uns für immer prägen, über ererbten Besitz und historische Verantwortung. Wir konnten das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Packend bis zum Schluss.
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2. Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka)
(273Bewertungen)15
Taschenbuch
22,99 €
Darum geht es: Dieser Roman ist über die Literaturwelt gekommen wie ein Naturereignis: ein wuchtiges Familienepos, das am Beispiel von sechs Generationen außergewöhnlicher Frauen das ganze pralle 20. Jahrhundert mit all seinen Umbrüchen und Dramen, Katastrophen und Wundern erzählt. Vom Georgien am Vorabend des Ersten Weltkriegs bis ins Deutschland zu Anfang des neuen Millenniums spannt Nino Haratischwili den Bogen. Alles beginnt mit Stasia, Tochter eines angesehenen Schokoladenfabrikanten. Mit ihrer Geburt setzt die Geschichte ein, die fortan wie ein gewaltiger Strom mit unzähligen Nebenarmen und Verwirbelungen durch Europa zieht und den Leser bis zur letzten Seite in ihrem Sog gefangen hält.

Darum lieben wir dieses Buch: Mit über 1000 Seiten ist dieser Familienroman ohne Frage ein ziemlich dicker Wälzer. Aber: es lohnt sich, denn Nino Haratischwili erzählt diese Gechichte so packend, dass Sie nur so durch die Seiten fliegen werden - versprochen. Und: Sie werden die gesamte Lektüre über den Geschmack von Schokolade auf der Zunge spüren.
3. Alena Schröder: Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
(256Bewertungen)15
Buch (gebunden)
23,00 €
Darum geht es: Güstrow, Mai 1945: Die 14-jährige Marlen liegt zusammengekauert in der Schublade einer Kommode in einem verlassenen Forsthaus. Als sie sich endlich befreit, entdeckt sie dort das unscheinbare Porträt einer jungen Frau. Wilma, die Marlen geholfen hat sich rechtzeitig vor den russischen Soldaten zu verstecken, nimmt die junge Waise bei sich auf. Doch Wilma hat ein Geheimnis, das sie zu zerstören droht.

Berlin, 2023: Hannah Borowski ist 34 Jahre alt und alles wäre gut, wenn nicht ihre beste Freundin Rubi plötzlich ausziehen würde. Und wenn nicht plötzlich Hannahs Vater wieder aufgetaucht wäre. Und was wurde aus der wertvollen Leinwand, die einst Hannahs Großmutter gehörte und die sich wie ein roter Faden durch ihr bisheriges Leben zieht?

Darum lieben wir dieses Buch: Alena Schröder erzählt in ihrem Familienroman die Geschichte von vier Frauen auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen. Durch die Komplexität und Tiefe der Figuren wird man als Leser:in sofort in die Geschichte gesogen und mag das Buch kaum mehr weglegen. Die beiden Vorgänger-Bücher "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" und "Bei euch ist es immer so unheimlich still" kann man vorher lesen, da es Bezüge gibt, muss man jedoch nicht.
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4. Lilli Tollkien: Mit beiden Händen den Himmel stützen
(124Bewertungen)15
Buch (gebunden)
24,00 €
Darum geht es: Lale wächst in den 80ern in einer Berliner Männer-Kommune auf, in der Partys gefeiert und Revolutionen geplant werden. Sie darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst.

Darum lieben wir dieses Buch: Lilli Tolkien schreibt authentisch, verletzlich und mit poetischer Spannkraft von einer Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und einem Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird. "Mit beiden Händen den Himmel stützen" ist ihr Debüt. Wir haben diesen Familienroman mit großer Freude gelesen und können ihn wärmstens weiterempfehlen.
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5. Annika Büsing: Wir kommen zurecht
(39Bewertungen)15
Buch (gebunden)
24,00 €
Darum geht es: Philipp hat gelernt, sich am Riemen zu reißen, den Mund zu halten und niemandem auf die Nerven zu gehen. Er ist fast achtzehn und steht kurz vor dem Abi. Sein Vater, ein erfolgreicher Chirurg, hat eine neue Freundin und "stemmt die Welt", während seine Mutter nur noch ab und zu verschwommenen in seinen Gedanken auftaucht. Halt findet Philipp bei seinem besten Freund Lorenz, mit dem er fast alles teilt, bis auf seine unklaren Erinnerungen an einen Hund oder seine wilde Liebe zu Studentin Mascha. Als die Polizei anruft und wieder einmal nach Philipps Mutter sucht, muss er sich entscheiden, ob er weiterhin unsichtbar bleiben will oder endlich für sich selbst einsteht.

Darum lieben wir dieses Buch: Annika Büsing hat ein zartes, genau beobachtetes Buch über eine Familie geschrieben, die an der psychischen Erkrankung der Mutter fast zerbricht. Ganz nah kommt sie dem Denken, Fühlen und Leben ihrer Figuren. Wie durch ein Vergrößerungsglas blicken wir darauf, was Familie sein kann. Die, in die man hineingeboren wird und die, die man sich wählt. Unbedingt lesenswert ist übrigens auch der Roman "Nordstadt" von ihr.
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6. Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
(381Bewertungen)15
Taschenbuch
14,00 €
Darum geht es: Ist das normal? Zwischen Hunderten von körperlich und geistig Behinderten als jüngster Sohn des Direktors einer Kinder- und Jugendpsychiatrie aufzuwachsen? Der junge Held in Joachim Meyerhoffs Roman kennt es nicht anders - und mag es sogar sehr. Sein Vater leitet eine Anstalt mit über 1.200 Patienten, verschwindet zu Hause aber in seinem Lesesessel. Seine Mutter organisiert den Alltag, hadert aber mit ihrer Rolle. Seine Brüder widmen sich hingebungsvoll ihren Hobbys, haben für ihn aber nur Häme übrig. Und er selbst tut sich schwer mit den Buchstaben und wird immer wieder von diesem großen Zorn gepackt. Glücklich ist er, wenn er auf den Schultern eines glockenschwingenden, riesenhaften Insassen übers Anstaltsgelände reitet.

Darum lieben wir dieses Buch: Kein Buch ist so ein Wechselbad der Gefühle wie dieses. Wir haben gelacht, geweint, gelacht, geweint. Joachim Meyerhoffs Humor bewegt sich auf einem konstant hohen Niveau, an das nur sehr wenige herankommen. Seine melancholischen Erzählungen zwischen all den skurrilen Anekdoten verleihen der Geschichte eine gewisse Tiefe. Eine tolle Familiensaga, die wir nicht müde werden zu empfehlen.
7. Rachel Khong: Real Americans
(335Bewertungen)15
Buch (gebunden)
24,00 €
Darum geht es: New York City, Silvester 1999. Lily Chen ist 22, Tochter chinesischer Einwanderer und unbezahlte Praktikantin in einem hippen Medienunternehmen. Als sie Matthew trifft - charmant, privilegiert, Erbe eines Pharmaimperiums -, verliebt sie sich. Zwei Welten prallen aufeinander. Und doch scheint alles möglich. 21 Jahre später lebt Lilys Sohn Nick mit ihr auf einer abgelegenen Insel. Er spürt: Etwas fehlt. Als er nach seinem Vater sucht, stößt er auf Geheimnisse, die alles verändern - nicht nur für ihn.

Darum lieben wir dieses Buch: "Real Americans" handelt von Herkunft und der Illusion von Kontrolle in einer Gesellschaft, die Erfolg gern als Ergebnis individueller Leistung missversteht. Besonders überzeugend ist der Familienroman dort, wo er die komplexen und oft widersprüchlichen Beziehungen zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern in den Mittelpunkt rückt und sichtbar macht, wie tief familiäre Prägungen die eigene Identität beeinflussen.
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8. Jo Hamya: Die Scheinheiligen
Buch (gebunden)
25,00 €
Darum geht es: Sizilien, 2010. Sophia, ein Teenager an der Schwelle zum Erwachsenwerden, verbringt einen Sommer mit ihrem Vater. Er ist ein erfolgreicher Schriftsteller, der sich mehr für seine eigenen Worte als für seine Tochter interessiert. Im Laufe dieses Urlaubs wird ihre Beziehung Risse bekommen, die nicht mehr so leicht zu kitten sind. London, 2020. Sophias Vater sitzt in einem großen Theater. Er ist aufgeregt, denn er sieht sich das erste Theaterstück seiner Tochter im Westend an. Er wünscht ihr und dem Stück den größtmöglichen Erfolg und hofft, dass sie nun in seine schriftstellerischen Fußstapfen tritt. Doch dann stellt sich heraus, dass das Stück den schicksalhaften sizilianischen Familienurlaub zum Thema hat und ihn zwingen wird, sich mit der Sicht seiner eigenen Tochter auf ihn zu konfrontieren.

Darum lieben wir dieses Buch: Jo Hamya erzählt auf kluge und unterhaltsame Weise von Vätern und Töchtern, von allem, was sie trennt und verbindet, von Generationenunterschieden und großen gesellschaftlichen Fragen, die in der Familie ausgetragen werden. Wie viel kann man sich verzeihen? Eine spannende Geschichte, die für alle Leser:innen geeignet ist, die es gerne literarischer mögen.
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9. Nelio Biedermann: Lázár
(259Bewertungen)15
Buch (gebunden)
24,00 €
Darum geht es: Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als ob er dessen Geheimnis ahnte. Mit Lajos' Geburt im Waldschloss bricht auch das 20. Jahrhundert an, das das alte Leben der Barone Lázár im südlichen Ungarn für immer verändern wird. Der Untergang des Habsburgerreichs berührt erst nur ihre Traditionen, aber alle spüren das Beben der Zeit, die schöne Mária ebenso wie der geisterhafte Onkel Imre. Als Lajos in den Zwanzigerjahren sein Erbe antritt, scheint der alte Glanz noch einmal aufzublühen. Doch die Kinder Eva und Pista - der das Dunkle so liebt - müssen erleben, wie totalitäre Zeiten ihre wuchtigen Schatten werfen - und lernen, gegen sie zu bestehen.

Darum lieben wir dieses Buch: Diese Familiensaga ist fesselnd und berührend, zugleich voller Leichtigkeit, Träume und Geheimnisse, in denen sich die ganze Tragik und Schönheit der Existenz spiegelt. Nelio Biedermann stellt die Frage, wie man angesichts historischer Katastrophen und schöner Sommertage leben soll.
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10. Jonathan Franzen: Crossroads
(85Bewertungen)15
Buch (kartoniert)
17,00 €
Darum geht es: 23. Dezember 1971: Familie Hildebrandt steht am Scheideweg. Russ, evangelischer Pastor einer Vorstadtgemeinde in Chicago, ist bereit, sich aus seiner Ehe zu lösen - vorausgesetzt, seine Frau löst sich zuerst. Ihr Sohn Clem kommt mit einer Nachricht nach Hause, die seinen Vater moralisch schwer erschüttert. Clems Schwester Becky, lange Zeit umschwärmtes Zentrum ihres Highschool-Jahrgangs, ist in die Gegenkultur der Ära ausgeschert, während ihr jüngerer Bruder Perry, ein dealender Kiffer, den festen Vorsatz hat, ein besserer Mensch zu werden. Jeder der Hildebrandts sucht eine Freiheit, der die anderen im Wege stehen.

Darum lieben wir dieses Buch: Dieser amerikanische Familienroman ist der erste Teil einer bereits angekündigten Trilogie. Und mit "Crossroads" trifft der Autor Jonathan Franzen einen Nerv. Es gelingt ihm mit der Pastorenfamilie Hildebrandt, an jedem seiner Mitglieder ein moralphilosophisches Problem zu diskutieren. Dabei rückt er die Diskurse unserer Zeit wie politische Korrektheit und Woke-Sein in einen geschichtlichen Zusammenhang. Brillant!
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