LENA HACH
Lena Hach, geboren 1982, besuchte eine Schule für Clowns, studierte anschließend Anglistik, Germanistik und Kreatives Schreiben. Sie arbeitete zunächst als Journalistin und widmete sich dann der Kinder- und Jugendliteratur. Ihre Werke wurden mehrfach ausgezeichnet und standen auf den Shortlists renommierter Preise. 2024 wurde sie für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Buch (gebunden)
Ein ADHS-Kinderbuch, das vor Energie sprüht wie ein Flipperautomat - und dabei mitten ins Herz trifft. Die quirlige Protagonistin Cleo ist Viertklässlerin, schlagfertig, kreativ und hat ein Gehirn, in dem Gedanken wie wild umherspringen. Als sie ein Achtsamkeits-Tagebuch gewinnt, beginnt sie darin ihren chaotischen Schulalltag festzuhalten - im ihr ganz eigenen Stil. Denn Fasching steht vor der Tür, ein geheimer Kostümwettbewerb sorgt für Aufregung, und dann verschwinden auch noch die mühsam gesammelten Klassensüßigkeiten. Cleo ermittelt, streitet mit ihrem Bruder, rettet eine Diskokugel vom Wertstoffhof und erfindet sich dabei immer wieder neu. Lena Hach erzählt im frechen Tagebuchformat - mit Listen, Comic-Elementen und herrlicher Selbstironie - von ADHS bei Mädchen, ohne je belehrend zu werden. Jutta Wetzels ausdrucksstarke Illustrationen bringen Cleos Innenwelt zum Leuchten. Ein humorvolles, warmherziges illustriertes Kinderbuch über Neurodiversität, Freundschaft und den Mut, genau so zu sein, wie man ist. Für Kinder ab 9 Jahren - Gregs Tagebuch trifft Selbstakzeptanz, mit Konfetti obendrauf.
Interview mit Lena Hach
Die Autorin Lena Hach über ihr neues Buch und die Lebenswelt von Kindern mit ADHS
Das Mädchen Cleo, die Ich-Erzählerin Ihres Buches, lebt mit ADHS. Ihr Buch nimmt das sehr ernst, aber mit Humor. Wie hilft Humor dabei, ein Thema zu vermitteln, das oft noch mit Unsicherheit oder Vorurteilen verbunden ist?
Humor macht wahrscheinlich vieles einfacher. Er sorgt für eine gewisse Leichtigkeit, die gerade dann wertvoll ist, wenn ein Thema vergleichsweise schwer daherkommt. Lachen entlastet! Und wenn man es gemeinsam tut, stellt sich sofort eine Verbindung her und die Distanz zwischen Figur und Leserschaft schmilzt. Allerdings habe ich Humor hier nicht bewusst eingesetzt, weil ich dachte, dass es dringend einen Ausgleich braucht. So schwer ist Cleos Schicksal nicht - im Gegenteil. Sie geht grundsätzlich ja sehr vergnügt durch die Welt. Und möglicherweise gehört zu einer ehrlichen Antwort auf die Frage auch Folgendes: Humor hilft nicht zuletzt der Autorin, weil sie sich beim Schreiben dann gut unterhalten fühlt.
In ihrem Tagebuch erklärt Cleo, das D in ADHS - also der Begriff "Defizit" - sei völlig falsch gewählt: Was sieht sie, was andere vielleicht übersehen?
Der Begriff "Defizit" ist aus meiner Sicht nicht ideal, weil er den Fokus auf den Mangel legt, anstatt auf das Potential. Beides sollte Beachtung finden! Cleo kann Reize grundsätzlich nicht so erfolgreich filtern wie die meisten anderen Kinder. Im Vergleich nimmt Cleo also nicht weniger wahr, sondern mehr. Das bedeutet, dass sie sich - vor allem, wenn sie das Thema nicht interessiert - im Unterricht schneller ablenken lässt. Etwa von dem Maikäfer, der gerade auf dem Fensterbrett gelandet ist, auf den Rücken plumpst und sich nicht mehr allein umdrehen kann. Cleo springt dann sicherlich sogar mitten in der Mathearbeit auf, um dem Kleinen auf die Füße zu helfen.
Nach einem Besuch mit ihrer Mama im Museum resümiert Cleo: "Echten Künstlerinnen und Künstlern ist der Rand schnurzegal. Falls es überhaupt einen gibt!" Was bedeutet diese Erkenntnis für sie und uns?
Für Cleo bedeutet es ganz konkret, sich keinen Stress zu machen, wenn der Kunstlehrer mal wieder was zu meckern hat, weil sie nicht ordentlich gearbeitet hat. Und für uns ist es vielleicht die versteckte Aufforderung, die eine oder andere Regel zu hinterfragen oder gar willkürlich gesetzte Grenzen auszuloten, um Neues zu entdecken. Nur, weil man etwas „schon immer so“ gemacht hat, bedeutet es nicht, dass es bis in alle Ewigkeit so weitergehen muss. Dann gäbe es sicherlich keine echte Innovation.
Cleo beobachtet die Erwachsenenwelt ziemlich genau und durchschaut uns oft auf amüsante Weise. Was können wir Großen von ihrem Blick auf die Welt lernen?
Ich denke, dass der kindliche Blick - Neurodivergenz hin oder her - grundsätzlich sehr besonders ist. Er ist oft unverstellt, geprägt von Neugier und Entdeckerlust. Da wird über scheinbar Alltägliches gestaunt, das Hier und Jetzt spielt eine viel größere Rolle. Ich will das nicht verklären, weil Kindsein mit ganz eigenen Herausforderungen einhergeht, aber: Wer sich davon eine fette Scheibe abschneidet, braucht vielleicht einen Achtsamkeitskurs weniger?












