Beim erneuten Lesen nach über zehn Jahren hat mich das große Finale der Trilogie noch einmal ganz anders überrascht als in meiner Erinnerung. Obwohl die Protagonisten Lyra und Will erst um die 13 oder 14 Jahre alt sind, agieren sie extrem erwachsen und müssen eine enorme Verantwortung tragen. Pullman bricht hier gekonnt aus klassischen Mustern aus und verleiht der Geschichte eine immense Tiefe, die weit über ein typisches Jugendbuch hinausgeht. Besonders der atheistische Ansatz und der kompromisslose Kampf gegen die Dogmen der Kirche treten hier noch deutlicher und tiefgründiger hervor als in den Vorgängern.Die Handlung verknüpft die verschiedenen Dimensionen auf faszinierende Weise und mündet in den gewaltigen Krieg, den Lord Asriel gegen Gott selbst und dessen Stellvertreter, den Engel Metatron, führt. Lyra und Will sind dabei gar nicht so oft direkt auf dem Schlachtfeld zu sehen, da ihre eigene, beschwerliche Reise sie vor allem durch das bedrückende Reich der Toten und die faszinierende Welt der Mulefa führt. Dennoch beeinflussen sie den Ausgang dieses Konflikts immens.Es ist unglaublich spannend zu beobachten, wie die beiden Hauptfiguren teils von den Ereignissen getrieben werden, teils aber auch aus eigenem, tiefem Antrieb heraus handeln, während alle Fraktionen versuchen, sie für ihre Zwecke zu nutzen. Diese Vielschichtigkeit macht das Lesen zu einem großartigen und intensiven Erlebnis, das mir mit etwas mehr Alter und Abstand sogar noch besser gefallen hat als beim ersten Mal. Ein absolut würdiger und meisterhafter Abschluss der Reihe.