Bissige Kritik, die auf amüsante Weise aufdeckt, wie wir Weihnachten oftmals voller Glanz, aber am eigentlichen Sinn vorbei feiern
"Die Falle" ist Kurzprosa von Gernhardt wie ich sie kenne und schätze: Anhand einer gut bürgerlichen Familie macht er deutlich, wie wir allenthalben am Kern der Weihnachtsbotschaft vorbei feiern. Der bestellte Student soll seine Rolle als Weihnachtsmann möglichst zügig über die Bühne bringen, die Kinder etwas ermahnen und dann schleunigst zu Bescherung schreiten, schließlich erwarten die Eltern noch Gäste, für die man schon ein teures Buffet bereit stehen hat. Zeit und Aufmerksamkeit für die Kleinen? Fehlanzeige! Interesse für die Verlierer in der Gesellschaft? Nicht zu erkennen. Doch der falsche Weihnachtsmann macht den Eltern einen gehörigen Strich durch die Rechnung."Die Falle" erschien erstmals 1966 in der Zeitschrift "Pardon". Meine Ausgabe ist von 2011 und wurde von Gernhardt um herrlich bissige Illustrationen ergänzt. Die Revoluzzerjahre der bundesdeutschen späten 1960er klingen an, wenn der Weihnachtsmann vom Studentenwerk die Kinder ermutigt, nicht alles zu glauben, was ihnen ihre Lehrer erzählen. Ansonsten hat der Text - leider - wenig an Aktualität eingebüßt.