Abenteuerliche, gefährliche Reise in ein vom jahrzehntelangen Krieg gebeuteltes Land.
2006, kurz nach dem Ende der Kriegshandlungen und dem Sturz der Taliban, reist Roger Willemsen kreuz und quer durch Afghanistan, von Kabul bis in den Norden nach Kunduz. Begleitet wird er von Nadia Karim, einer in Deutschland im Exil lebenden Afghanin, deren Hilfe ihm das Land näherbringt und die Gepflogenheiten der Menschen verständlich macht. Herausgekommen ist dabei weder eine klassische Reisereportage, noch ein politisches Sachbuch, sondern es ist ein ganz persönlicher Bericht über ein Land, das gerade einen fragilen Frieden erlebt. Roger Willemsen, geb. 1955 in Bonn, gest. 2016 in Wentorf bei Hamburg, war ein deutscher Publizist, Kolumnist, Fernsehmoderator und Filmproduzent. Neben regelmäßigen Veröffentlichungen und kritischen Berichten in einigen Magazinen und Zeitungen, schrieb er mehrere Bücher und Reiseberichte. Für seine vielseitigen Tätigkeiten erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Willemsen war nicht verheiratet und blieb kinderlos. In seiner bildstarken, präzisen Ausdrucksweise gelingt es dem Autor, uns Leser*innen seine Reise und seine vielfältigen Erlebnisse nahe zu bringen und mit erleben zu lassen. Er beschreibt nicht nur Gewalt und Zerstörung, sondern begegnet den Menschen im Alltag, lobt ihre Gastfreundschaft und ihren Humor. Ohne politisch zu analysieren beobachtet er, spricht mit Taliban-Funktionären und Soldaten, mit Frauen die die Burka abgelegt haben, mit Händlern und Nomaden - wodurch ein vielschichtiges Bild Afghanistans entsteht. Berührend sind die Momente der Hoffnung und Zuversicht, zumal man aus heutiger Sicht weiß, wie tragisch sich das Land weiterentwickelt hat und nun wieder von den Taliban kontrolliert wird. Fazit:Ein Reisetagebuch aus dem Jahre 2006 - aus heutiger Sicht aktueller denn je. Meine Leseempfehlung!