Interessante Ansätze, aber unglaublich langatmig, keinerlei Tiefgang und fragwürdig bezüglich der Genderzuschreibungen.
Hier verstecken sich einige interessante Ideen. Aber man muss sie gut suchen. Denn der Roman ist derart aufgebläht, dass es schwierig ist, an ihnen dranzubleiben. Schreibstil: Der Schreibstil ist solide, aber ohne Finesse. Es gab viele Wortwiederholungen, bei denen ich nicht weiß, ob sie vielleicht der Übersetzung geschuldet sind. Gut ist, dass eigene Erzählstimmen (in Ansätzen) erkennbar sind. Einprägsame Bilder fehlen aber leider. 4 Sterne Charaktere: Die Charaktere sind das, was ihre Rollen hergeben, aber wenig mehr. Sie haben vielleicht einen Charakterzug wie beispielsweise impulsiv zu agieren und das wird dann immer wiederholt. Keine Variationen, keine Komplexität. Eben weil es dann doch leichte Anklänge von eigenen Erzählstimmen gab und die Charaktere auch gar nicht der Fokus des Romans sind, konnte ich ihnen dennoch gut folgen. Nur der Tiefgang fehlt leider völlig. 3 Sterne Handlung und Struktur: Meine Güte war das langweilig. Am Anfang passierte absolut nichts und wäre das Buch nicht berühmt, hätte ich es wahrscheinlich auf Seite 20 abgebrochen (so habe ich bis etwa 350 durchgehalten, aber auch nicht weiter). Die Geschichte verlor sich ständig in Belanglosigkeiten und Details, die wenig später dann wieder obsolet gemacht wurden, fächerte Worldbuilding aus, ohne dabei die Handlung voranzubringen. Kein Wunder, dass die Reihe so viele Bände hat: Wenn man derart langsam erzählt, kann man eine Geschichte natürlich auf tausende Seiten aufblähen. Aber ob ihr das guttut? In meinen Augen auf jeden Fall nicht. Zumindest den Teil dieses Wälzers, den ich gelesen habe, hätte man wohl auch auf 50 Seiten herunterkürzen können. Dann hätte ich vermutlich mehr Spaß dabei gehabt. 1 Sterne Tiefgang: Nun, das Buch ist ja nun nicht mehr ganz frisch. Zu seiner Entstehungszeit ist die Konzeption sicher anders bewertet worden, heute muss man aber sagen, dass die Einteilung in männliche und weibliche Magie problematisch ist. Denn die Idee, dass Männer und Frauen tatsächlich von Natur aus grundverschieden sind, dass das biologische Geschlecht einen bestimmten Magiezugriff ermöglicht oder nicht, verfestigt starre Genderzuschreibungen und wird in der Folge zum Einfallstor für Genderdiskriminierung. Die findet im Roman auch statt. Nicht auf eine aufdringliche Weise, nicht durch Gewalt. Aber eben immer wieder subtil in kleinen Sätzen oder in der Art und Weise wie Männer eher als direkt und Frauen als raffiniert dargestellt werden. In dieser Welt gibt es keine Gleichberechtigung, soll sie nicht geben, wird sie nicht geben (können). Und das bereitet mir Unbehagen. 2 Sterne Worldbuilding: An sich ist das Worldbuilding nun nicht extrem originell. Wir befinden uns erst einmal in einem kleinen, mittelalterlichen Dorf, das man aus zig Fantasyromanen kennt. Allerdings muss bemerkt werden, dass die Welt und Geschichte des Romans unglaublich detailreich ist. Das wäre an sich ein großer Pluspunkt, denn genau davon lebt der Roman: Von den vielen Details, der geheimnisvollen Vergangenheit, die allmählich aufgedeckt wird, den geschichtsträchtigen Orten. Leider ist es nun aber auch so, dass vieles einfach irgendwie zusammenkopiert wirkt. Es gibt eine Szene, die kennt man genauso aus dem "Herr der Ringe". Dass die Orks hier "Trollocs" heißen, macht es nun auch nicht besser. Ich tue mich deshalb schwer, das Worldbuilding an dieser Stelle zu bewerten. Es ist wenig wirklich originell und dafür müsste ich eigentlich eine niedrige Wertung geben. Die Art und Weise wie das wenig Originelle dann aber wieder verknüpft wurde, auch der reine Umfang ist aber irgendwo interessant. 4 Sterne Ich habe mich wirklich hart getan mit diesem Roman. In meinen Augen hat er viele Baustellen. Tatsächlich verstehe ich auch nicht, wie das Buch so erfolgreich werden konnte - weil ich nicht verstehe, wie man über die ersten 40 Seiten hinauskommen kann, ohne dabei wegzuschlafen. Ich sehe hier viele interessante Ideen und Ansätze, die dazu einladen, diese Welt und die zahlreichen Geheimnisse, die sich darin verbergen, zu erkunden. Und das hätte ich auch gerne getan. Stattdessen hat mich der Roman in seiner ausschweifenden Belanglosigkeit verloren. Gut möglich, dass das Tempo weiter zunimmt. Aber selbst wenn es zunimmt, ist es mir immer noch bei weitem zu langsam. Deswegen werde ich nicht weiterlesen. Es gäbe Aspekte, die mich interessieren würden. Aber ich fürchte, die sind es mir nicht wert, mich durch tausende Seiten Langeweile zu wühlen. Gesamtwertung: 2,8 Sterne, macht gerundet 3 Sterne