Drei historische Persönlichkeiten, die mit jugendlicher Enthusiasmus ihren Leidenschaften folgen und ... Grandios in einem Roman verknüpft
Was verbindet die drei Personen dieses glänzend verfassten Romans, in dem dennoch das Faktische anspruchsvoll die Geschichten bereichern? Drei (historische) Personen, wie sie unterschiedlicher auf den ersten Blick nicht sein könnten. Da wäre zunächst der Kunstmaler (und Fälscher) Emile Gilliéron, ein Schweizer Maler und Restaurator, der dem deutschen Archäologen Heinrich Schliemann bei der Rekonstruktion seiner Funde zur Seite steht. Gefolgt von der verkannten Sängerin Laura d'Oriano, die schließlich wegen ihrer Spionagetätigkeit zum Tode verurteilt wird. Und schließlich Physiker Felix Bloch, der am Bau der Atombombe in Los Alamos beteiligt war.Das Bindeglied zwischen diesen drei Personen, ist ihr jugendlicher Enthusiasmus, der ihnen zunächst die Welt zu Füßen legt. Sie alle streben ihren Leidenschaften nach (heute würde man wohl von Potentialentfaltung sprechen ...), entwickeln darin Größe und - scheitern doch schließlich an ihren ursprünglichen Zielen. Mal mehr mal weniger drastisch. Die Fäden dieser drei Lebensgeschichten werden geschickt verwoben, ohne sie in eine direkte zeitliche Parallelität einzubinden. Daraus entstehen Rückblicke, die uns die Personen sehr nahebringen und es sogar erlauben, in die jeweiligen Rollen zu schlüpfen. Man ist sozusagen hautnah dabei. Bewundernswert sind auch die (teil metaphorischen) Darstellungen der historischen Hintergründe, beispielsweise zum Ersten Weltkrieg: "Nach tausendfünfhundert Tagen war die Maschine [Kriegsmaschine] kurz vor Felix Blochs dreizehntem Geburtstag mangels Treibstoff ins Stottern geraten und widerwillig zum Stillstand gekommen. Seither hat sich einigermaßen ruhig verhalten, das ist wahr, aber jetzt brummt sie schon wieder; bald wird sie wieder ruckeln und rattern, und über kurz oder lang werden ihre Schwungräder wieder zu drehen anfangen und ihre Schredderzähne sich aufs Neue durch die Landschaften und das Fleisch und die Seelen der Menschen fressen. Mag sein, dass die Maschine nicht aufzuhalten ist, sagt sich der junge Mann, aber mich wird sie nicht kriegen."Wieso es dann doch anders kommt, und wie Leidenschaft und Neugier für eine Sache dennoch nicht totzukriegen sind, erfährt hier eine kraftvolle Bestätigung. Immerhin erhält Felix Bloch "für seine Entdeckung der Kerninduktion" 1952 den Nobelpreis für Physik - und diese Entdeckung "führt auf dem direkten Weg zur Magnetresonanztomographie, welche die medizinische Diagnostik in den letzten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts revolutionierte."(14.9.2024)