Eine Handlung ohne Voranschreiten
Inhalt: Als Theo Decker dreizehn Jahre alt ist, verliert er seine Mutter durch ein tragisches Unglück. Er versinkt in tiefer Trauer. Auch das Gemälde, das verbotenerweise in seinem Besitz ist und ihn an seine Mutter erinnert, kann ihm keinen Trost spenden. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Jahr, das vergeht, kommt er immer weiter von seinem Weg ab und droht, in kriminelle Kreise abzurutschen. Es scheint geradezu, als würde ihn das Gemälde, das ihn auf merkwürdige Weise fasziniert, in eine Welt der Lügen und falschen Entscheidungen ziehen, in einen Sog, der ihn unaufhaltsam mit sich reißt ... Meinung: "Der Distelfink" stand ein paar Monate in meinem Regal, bevor er für mich zur Urlaubslektüre wurde. Mein erster Roman von Donna Tartt, die Erwartungen waren groß.Leider quälte ich mich durch die über 1000 Seiten. Es war nicht so, dass mir das Buch gar nicht gefallen hat, aber es war für mich sehr ermüdend zu lesen.Die ganze Story ist sehr düster und deprimierend. Theo verliert seine Mutter bei einem tragischen Unglück in einem New Yorker Museum. Zunächst wächst er bei der Familie (Barbour) eines Schulfreundes auf, um dann von seinem Vater nach Las Vegas geholt zu werden. Nach dessen Tod macht sich Theo wieder auf den Weg zurück nach New York und kommt schließlich bei Hobie unter. Die Hauptperson ist die ganze Zeit, obwohl teilweise in elterlicher Fürsorge, mehr oder weniger auf sich alleine gestellt. Ich habe nicht das Gefühl, dass er von irgendeiner Person geliebt wird (außer von Hobie). Alle Erwachsenen sind irgendwie "kaputt", ja, sogar, seine Freunde (Boris!). Boris ist für mich ein Charakter, dem ich nicht einmal einen Funken Vertrauen schenke und es war eine regelrechte Qual, sein Reden, sein Tun, seine Anwesenheit "auszuhalten". Dass Theo so viele positive Gefühle für ihn hegt, hat auch seine Sympathie geschmälert.Immer wieder musste ich das Buch zur Seite legen, da das Schicksal dieses traumatisierten Jungen nicht viel Positives für ihn übrighatte. Und wenn mal etwas Gutes passierte, tröstete ihn auch das nicht. Leider war zudem ein Großteil der Handlungen und Gefühle für mich nicht nachvollziehbar.Der Schreibstil war mir eindeutig zu ausufernd. Außerdem waren Theos Innenreflexionen sehr mühsam - sie enthielten schlichte Erkenntnisse, die seitenlang ausgeschlachtet wurden. Für mich eine große Verpackung mit leider wenig Inhalt.Außerdem konnte ich bei keiner Person eine Entwicklung feststellen. Theo und Boris verhalten sich als Kinder gleich wie als junge Erwachsene (nur dass dieses Mal Waffen im Spiel sind). Jedes Mal, wenn Boris auf der Bildfläche erschien und Theo das Blaue vom Himmel versprach, wollte ich das Buch zur Seite legen. Aber ich habe es zu Ende gelesen, weil ich mir dachte, es wird doch wohl noch etwas Aufregendes passieren. Möglicherweise mit Kitsey oder mit Pippa?Leider wurde ich auch hier enttäuscht. Dem guten Theo bleibt also nichts anderes übrig, als sein trübsinniges Leben weiterhin zu führen, das er im Grunde gar nicht schätzt. Die letzten Seiten sind noch einmal eine Depri-Draufgabe, falls dem Leser das Buch bis hierhin zu fröhlich war.Ich vergebe 2 von 5 Sternen, weil es mich absolut nicht catchen konnte, schon gar nicht mit unendlich vielen Aufzeichnungen, Anreihungen, Adjektiven, die einen Pinselstrich mit solch einer gähnenden Sorgfalt ins Rampenlicht stellen, wo Welten aufeinandertreffen, die gar keine Welten sind (steht so oder so ähnlich ziemlich am Ende des Buches), wo man sich sein Herz nicht aussuchen kann, genauso wenig wie sein eigenes Ich und man am besten gar nicht geboren worden wäre und sowieso immer die falschen Menschen und Nichtmenschen brutal aus dem Leben, das ja gar nicht lebenswert, sondern "nur" katastrophal ist, gerissen werden, anstatt die Bösen, die aber in Wahrheit gar nicht böse sind, weil es gibt ja in diesem Sinne kein Gut und kein Böse, und warum macht man sich darüber überhaupt Gedanken?Ja. Genau das fragte ich mich beim Lesen auch manchmal.