Großartige Grundidee, aber leider zu langsam, zu predigend und überraschend harmlos für eine Gesellschaftskritik.
Momo, ein kleines struppiges Mädchen, lebt am Rande einer Großstadt in den Ruinen eines Amphitheaters. Sie besitzt nichts als das, was sie findet oder was man ihr schenkt, und eine außergewöhnliche Gabe: Sie hört Menschen zu und schenkt ihnen Zeit. Doch eines Tages rückt das gespenstische Heer der grauen Herren in die Stadt ein. Sie haben es auf die kostbare Lebenszeit der Menschen abgesehen und Momo ist die Einzige, die der dunklen Macht der Zeitdiebe noch Einhalt gebieten kann...Ein kleines Mädchen lebt allein in den Ruinen eines Amphitheaters am Rand einer Stadt. Momo besitzt fast nichts außer einer besonderen Fähigkeit. Sie hört Menschen wirklich zu. Doch als die geheimnisvollen grauen Herren auftauchen, verändert sich alles. Sie wollen die Menschen dazu bringen, ihre Zeit zu "sparen", nur um sie heimlich zu stehlen. Während die Welt immer hektischer und kälter wird, scheint nur Momo zu erkennen, dass hier etwas gewaltig schiefläuft. Also macht sich ausgerechnet dieses barfüßige Kind daran, den Zeitdieben die Stirn zu bieten.¿ fantasievolle Grundidee über gestohlene Lebenszeit¿ ungewöhnliche Heldin mit der Gabe zuzuhören¿ märchenhafte Welt mit skurrilen Figuren (inklusive der kommunizierenden Schildkröte Cassiopeia)¿ starker moralischer Anspruch an Gesellschaft und Lebensstil¿ sehr langsames Tempo und viel moralischer UntertonDie Idee hinter dem Buch ist eigentlich großartig. Zeit als kostbarstes Gut und eine unsichtbare Macht, die sie den Menschen stiehlt. Besonders Figuren wie die rätselhafte Schildkröte Cassiopeia sorgen für charmante Momente. Leider bleibt es bei der Idee. Statt einer scharfen Gesellschaftskritik bekommt man eine ziemlich lange Moralpredigt darüber, dass Menschen einfach achtsamer leben sollten. Dass viele Menschen jedoch so viel arbeiten müssen (!!), um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wird dabei ignoriert, gehört aber zur Wahrheit über die Realität dazu. Ich wache auch nicht morgens auf und freue mich auf einen Arbeitstag voller nerviger Mails und Excel-Tabellen, sondern lieber zu Hause bleiben und lesen.Die Botschaft des Buches wirkt durch dieses fehlende Detail der Realität von Erwachsenen dadurch weniger wie Systemkritik und mehr wie eine Predigt darüber, dass Menschen einfach die "falsche Einstellung" zu ihrem Leben haben. Dies suggeriert, dass man eine Wahl hätte... Aber was ist die Alternative? Hier ist der Autor leider unkonkret und ohne realistischen Lösungsansatz.Was bleibt, ist ein gut gemeinter Lebensratgeber (getarnt als modernes Märchen) aus Michael Endes sehr privilegierter Autorenperspektive mit freier Verfügung über die eigene Lebenszeit. Und das alles im Tempo einer sehr entspannten Schildkröte...Momo von Michael Ende hat eine großartige Grundidee, aber für mich war die Geschichte allgemein leider zu langsam, zu predigend und überraschend harmlos für ein Buch, das oft als große Gesellschaftskritik gefeiert wird.