Episoden statt Epos ¿ Ungewöhnlicher Aufbau aber mit Sog: Anfang holprig, dann richtig gut. Figuren wachsen, Welt entfaltet sich. ¿¿
Meine Eindrücke (Gedanken & Gefühle)¿Kupferversprechen¿ von Kupferversprechen hat mich nicht sofort abgeholt ¿ eher so ein vorsichtiges ¿Okay¿ wo willst du mit mir hin?¿ als ein direktes Hineinfallen in die Geschichte. Der Anfang wirft einen ja ziemlich ungebremst in drei sehr unterschiedliche Szenen: ein Prinz mit Geheimnis, zwei Abenteurer im Dungeon (inklusive latentem Engegefühl bei mir ¿) und dann plötzlich unsere eigentliche Gruppe auf dem Weg zur Zitadelle. Das wirkt erstmal wie drei angefangene Gespräche, bei denen man den Kontext verpasst hat.Und dann ist da diese Episodenstruktur. Jede Geschichte steuert relativ direkt auf ihren eigenen Höhepunkt zu, ohne sich lange mit Umwegen aufzuhalten. Gerade im ersten Moment hat mich das aus dem Lesefluss gebracht, weil ich eher ein ¿klassisches¿ Erzählen erwartet habe. Aber je länger ich gelesen habe, desto mehr habe ich verstanden, was die Autorin da macht: Sie kürzt konsequent alles raus, was nicht unmittelbar zur Entwicklung beiträgt ¿ Reisen werden übersprungen, Zeit vergeht einfach, ohne dass man jeden Schritt mitlaufen muss. Das fühlt sich zuerst ungewohnt an, später fast schon angenehm effizient.Was ich besonders spannend fand: Man kann beim Lesen quasi zusehen, wie Jen Williams sicherer wird. Die Sprache zieht an, wird präziser, manchmal auch mutiger in den Bildern. Gleichzeitig gewinnen die Figuren an Gewicht. Am Anfang stehen sie noch etwas im Raum ¿ unterhaltsam, aber nicht ganz greifbar. Doch mit jeder Episode bekommen sie mehr Kanten, mehr Geschichte, mehr Reibung.Und dann sind da diese kleinen Momente, die hängen bleiben. Zitat: ¿Ich habe dich vermisst, du Idiot,¿ sagte sie. Ihre Stimme klang hart, irgendwie aufgedreht, aber ihr Haar roch wie immer nach Rauch und Ale und der Abwesenheit von Seife. Ich musste wirklich grinsen, weil das so herrlich unromantisch und gleichzeitig unglaublich passend ist. Gerade weil aktuell gefühlt jedes zweite Buch versucht, mit ¿Duftbeschreibungen¿ zu glänzen, kommt so etwas angenehm schräg daher. ¿Ich hatte beim Lesen mehrfach dieses leichte Stirnrunzeln ¿ nicht, weil es schlecht war, sondern weil ich Entscheidungen der Figuren oder der Welt erst einordnen musste. Aber genau das hat auch dazu geführt, dass ich dran geblieben bin. Es ist kein Buch, das sich sofort erklärt. Man arbeitet sich gemeinsam mit den Figuren durch die Zitadelle, durch ihre Vergangenheit, durch diese Welt.Unterm Strich: kein müheloses Reinrutschen, sondern eher ein Einfinden. Und genau dieses langsame ¿Aha, jetzt sehe ich, was du da machst¿ war für mich ein großer Teil des Leseerlebnisses. ¿ Stärken¿ Die Figuren tragen das Buch. Allen voran Wydrin ¿ große Klappe, viel Charme und genau die richtige Portion Chaos ¿ Sebastian und Frith brauchen etwas länger, aber auch sie gewinnen deutlich an Tiefe.¿ Niemand ist einfach nur gut oder böse. Viel Grau, viel Entwicklung, viel Bewegung. Die drei bleiben nicht stehen, sondern wachsen ¿ an Aufgaben, Verlusten, Entscheidungen.¿ Die Episodenstruktur ist ungewohnt, aber clever. Jeder Abschnitt hat seinen eigenen Spannungsbogen, und gleichzeitig zieht sich eine übergeordnete Geschichte durch. Dadurch fallen lange Reisen oder Zeitsprünge angenehm elegant weg.¿ Die Autorin entwickelt sich. Sprache, Figuren, Welt ¿ das wird von Teil zu Teil runder.¿ Highlights: kleine, schräge Details ¿ wie diese herrlich unromantische Duftbeschreibung und der besondere Humor der Autorin. ¿Schwächen¿¿ Der Einstieg ist und bleibt für mich der größte Stolperstein. Drei Szenen, kaum Verbindung, viele Fragezeichen ¿ das war eher anstrengend als spannend.¿¿ Und dann die Dungeons¿ Ich bin da einfach kein Fan ¿¿¿ Was mir gefehlt hat: mehr Hintergrund, gerade am Anfang. Welt, Historie, Figuren ¿ vieles bleibt erstmal recht vage. Das wird später besser, aber es dauert.¿¿ Die Antagonisten sind zudem oft ziemlich eindimensional. Funktional, aber selten wirklich interessant.¿¿ Epische Schlachten. Bestimmt gut geschrieben¿ aber auch hier¿ bin ich kein Fan von.¿Fazit & EmpfehlungFür mich ist das eine solide 3,5/5 ¿Kein schlechtes Buch ¿ absolut nicht. Es hat viele gute Ideen, tolle Figuren und einen mutigen Aufbau. Aber es ist auch spürbar ein Debüt, mit einigen Ecken und Kanten.Was ich aber definitiv sehe: Entwicklung. Und zwar innerhalb dieses Buches und vermutlich auch darüber hinaus.¿ Empfehlung: Für Fantasy-Fans, die bereit sind, sich auf einen etwas holprigen Einstieg einzulassen. Es lohnt sich ¿ aber man muss dem Buch die Chance geben.