Prägung ist kein unveränderbares Schicksal, wenn man offen ist und sich darauf einlässt die gängigen psychologischen Strukturen zu verlassen
Mein persönlicher Eindruck:Verständlichkeit & Struktur:Die im Buch gewählte Dialogform macht die teils komplexen philosophisch und psychologisch sehr zugänglich - führt aber stellenweise zu kleinen Längen. Das Buch fundiert auf der Individualpsychologie von Alfred Adler und hebt sich stark von der klassischen Freud'schen Sichtweise ab.Kernbotschaft:Nicht unsere Vergangenheit bestimmt unser Leben, sondern die Entscheidungen, die wir im Hier und Jetzt triffst - wir sind selbst für unser Leben und unser Glück verantwortlich.Praxisnutzen & Umsetzbarkeit:Die radikale Eigenverantwortung und das Prinzip der "Aufgabenteilung" lassen sich sofort im Alltag erproben, erfordern aber Mut zur Umsetzung. Der völlig neue Blickwinkel auf das "Werkzeug der Wut" und die radikale Befreiung von den Erwartungen anderer eröffnet uns eine neue Sichtweisen.Ein neuer Blick auf psychologische Ansätze:Unter dem eigentlichen Buchtitel hatte ich mir ehrlich gesagt etwas anderes vorgestellt - der Titel klingt nach einem klassischen, seichten Ratgeber für mehr Selbstbewusstsein. Tatsächlich würde ich dieses Buch jedoch eher als "Philosophische Anleitung zur Übernahme von Eigenverantwortung" beschreiben. (ob jemand das Buch mit dem Titel gekauft hätte - fraglich^^)Durch den Blick auf die Individualpsychologie von Alfred Adler öffnet sich auf jeden Fall eine völlig neue Sichtweise, während die gängige Freud'sche Psychologie stark auf Ursache und Wirkung (Trauma) bezogen ist.Hier bricht dieses Buch damit: Wir selbst sind dafür verantwortlich, wie wir unser Leben gestalten. Unsere Lebenseinstellung ist selbst gewählt. Besonders spannend fand ich in diesem Zuge das Kapitel über das "Werkzeug der Wut" und wie wir diese Emotion unbewusst als Mittel für unsere Durchsetzungskraft einsetzen.Wichtigkeit liegt auch auf der Kunst der Aufgabenteilung und der Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen. Das Buch macht unmissverständlich klar: Wir leben nicht, um die Vorstellungen anderer zu erfüllen oder uns ständig den Kopf darüber zu zerbrechen, was andere über uns denken. Hier kommt die Aufgabenteilung ins Spiel. Wir sollten uns nur um die Dinge kümmern, die wir selbst in der Hand haben - und jene loslassen, die wir sowieso nicht beeinflussen können. Somit auch das Denken und Handeln anderer Menschen. Auch unsere Gefühle und wie wir Ereignisse und Situationen bewerten, liegt ganz allein in unserer Hand.Schreibstil:Ein lebendiger Dialog mit kleinen Längen:Das Buch ist komplett als Dialog zwischen einem unzufriedenen jungen Mann und einem weisen Philosophen geschrieben. Diese Form hat mir zuerst gut gefallen, da es ein sehr reger Austausch ist. Der junge Mann ist ein großer Zweifler, der die Thesen gründlich hinterfragt - dadurch hat er oft meine eigenen Gedankengänge beim Lesen gespiegelt. Manchmal, gerade ab der Mitte und zum Ende hin war es mir allerdings etwas zu sehr in die Länge gezogen, gerade wenn ich gedanklich schon einen Schritt weiter war.FazitVon mir gibt es hier eine Empfehlung!Insgesamt ist dieses Buch absolut lesenswert! Die Dinge einfach anzunehmen, wie sie sind, und ihnen Berechtigung zu geben, hat mir neue Kraft und Mut geschenkt. Es geht nicht darum, den eigenen Lebensweg zu bewerten, sondern Vergangenes als Indikator für die nächsten Schritte und als reinen Erfahrungsgewinn zu sehen. Ja, unsere Vergangenheit prägt uns - aber dieses Werk zeigt eindrucksvoll, dass wir das Heft des Handelns selbst in der Hand nehmen können. Wir dürfen uns jederzeit für einen neuen, positiven Weg entscheiden. Für alle, die nach diesem Buch weiterlesen wollen, werden im Text übrigens noch weitere tolle Klassiker-Empfehlungen angedeutet, wie "Wie man Freunde gewinnt", "Sorge dich nicht - lebe!" oder "Die 7 Wege zur Effektivität".