Angesichts der Epoche, in denen die Max-Heller-Krimis spielen, war klar, dass irgendwann auch der Volksaufstand von 1953 eine Rolle spielen müsste. Im allgemeinen Geschichtsbewusstsein ist dieser Aufschrei gegen die Konsequenzen der neuen Staatsideologie leider weniger verwurzelt als etwa die beiden Weltkriege und die deutsche Wiedervereinigung, doch Frank Goldammer setzt diesem Ereignis ein würdiges Mahnmal im Krimiformat.Der historische Hintergrund bildet den perfekten Rahmen, zumal es von eindeutigen Verdächtigen nur so wimmelt und eine paranoide Staatssicherheit den Fall gern möglichst schnell abwickeln würde, solange nur die üblichen Verdächtigen verhaftet werden. Doch Heller bleibt dran, auch gegen den Widerstand von Kollegen und Vorgesetzten, womit er sich einmal mehr keine Freunde macht. Auch seine Treue zum Amt als Kriminalpolizist wird mehr als sonst auf die Probe gestellt, denn im Angesicht der brutalen Niederschlagung der landesweiten Proteste zeigt sich der "Arbeiter- und Bauernstaat" von seiner hässlichsten Seite.Wozu die nervöse Staatsmacht imstande ist zeigt sich an Hellers Verhältnis zu seinem Sohn Klaus und dem wiederholten Einschreiten der "Organe", die willkürlich jederzeit Verhaftungen und Verhöre veranlassen; mehr als einen losen Verdacht braucht es nicht. Kein Wunder, dass das Ehepaar Heller mit dem Gedanken liebäugelt endlich in den Westen zu gehen, wo sie ihren zweiten Sohn Erwin wiedersehen könnten. Noch ist der Mauerbau 1961 weit weg, doch die Reaktion der Obrigkeit auf die Proteste lässt selbst den Idealisten Max Heller erschüttert zurück.Dass dieses Buch doch nicht das letzte der Reihe wurde ist mittlerweile bekannt und somit kein Spoiler. Wie Frank Goldammer den Konflikt dann letztlich auflöst oder ihm vielmehr eine ganz neue Richtung gibt, ist eine interessante Überraschung, die sich der Autor für den Schluss aufspart. Überraschend, aber nicht unglaubwürdig, obwohl es sich kaum andeutet. Das weckt Vorfreude auf den nächsten Band und zeigt, warum diese Reihe unter all den seit "Babylon Berlin" trendenden Retro-Krimis heraussticht.