Super Idee, super umgesetzt und spannend geschrieben.
Super Idee, super umgesetzt und spannend geschrieben.Inhalt: Die DDR feiert in diesem Jahr ihren 80igsten Geburtstag und Mandy Neumann ist, allein als Kosmonautin auf der "Völkerfreundschaft¿. Eine Raumstation der DDR, welche zu den Feierlichkeiten einen neuen Stern erstrahlen lassen. Sie hat einen Roboter dabei, der sich allerdings sehr seltsam verhält. Als dann die ersten Defekte auf der Station auftreten, wird Mandy klar, dass sie auf sich allein gestellt ist und von "Bummi¿ keine Hilfe zu erwarten hat.Auf der Erde wird ein ABV von Dresden von einer alten Schulfreundin kontaktiert. Ihr Mann, der Entwickler einer Superkamera auf der Raumstation, ist verschwunden und er soll ihr helfen, ihn wiederzufinden. - Bei den Nachforschungen verschlägt es die beiden in die Lausitz, wo sie in der Zone ein riesiges Geheimnis aufdecken.Die Ereignisse auf der Raumstation und rundum die Zone hängen auf unerklärliche Weise zusammen und spitzen sich zu dramatischen Ereignissen auf der Erde und im All zu.Mein Leseerlebnis: Ich habe das Buch von einem ehemaligen Kollegen empfohlen bekommen, es mir seinerzeit nicht gleich vor sie Nase gehalten. Allerdings musste ich Fleisch am Anfang feststellen, dass das ein Fehler war. Die ganze Ausgangssituation war schon faszinierend. Wir schreiben das Jahr 2029 und die DDR existiert noch. Die politische Situation ist genauso beschrieben, wie sie eben seinerzeit war und doch ist die Technik viel weiter. Ich war sehr gespannt, wie sich das Buch noch entwickeln würde.Die Spannung war in jedem Fall begründet, denn in der bedrücken Stimmung der bekannten DDR gibt es auch einige Lockerungen für die Bürger. Allerdings werden sie nach wie vor von "der Firma¿ überwacht und haben sich an die sozialistischen Gegebenheiten zu halten.Mitten in dieser doch recht düsteren Stimmung lernen wir den Protagonisten kennen, der als ABV brav seinen Dienst versieht. Allerdings gerät er in ein Geheimnis ungeahnte Ausmaßes, als eine alte Schulkollegin Kontakt zu ihm aufnimmt und ihn um Hilfe bittet. - Ihr Mann ist vom Erdboden verschwunden, was aufgrund der Umstände der DDR gleich auf die Stasi hindeutet.Gleichzeitig steckt die einzige Kosmonautin der DDR in Schwierigkeiten. Sie erfüllt ihren Dienst auf der Raumstation "Völkerfreundschaft". Bei ihr ist lediglich der Roboter "Bummi", allerdings verhält der sich schon ziemlich seltsam. Mitunter hatte ich mehr als einmal das Gefühl, dass er regelrecht gegen die Überlebenregeln der Kosmonautin handelte. Die ganze Zeit hat das Ding für mich bedrohlich und seltsam gewirkt und ich habe mich mehr als einmal gefragt, warum die Frau nicht auf die Idee gekommen ist, das Teil einfach auszuschalten. - Egal. Fakt ist jedenfalls, dass das Leben der Frau eindeutig gefährdet ist. Sie erfüllt ihren Dienst bis zum Republikgeburtstag und das war es dann auch schon.Es spitzt sich eine dramatische Szene zu, als herauskommt, dass der verschwunden Ehemann und das Schicksal der Kosmonautin zusammenhängen. Der Eine hat eine Superkamera erfunden und gebaut und die Kosmonautin hat sie benutzt. Das Ende vom Lied ist ein gelüftetes Geheimnis, welches physikalisch vollkommen unmöglich scheint, aber aufgrund der Erkundungen des ABV wirklich sehr gut und eindrucksvoll erklärt wird. Im Grunde versteckt die DDR hier eine Art Superwaffe, die sie aber auch kontrollieren muss, damit diese Waffe eben nicht die ganze Welt vernichtet.Im Anhang hat der Autor noch mit dem Geheimnis ein wenig aufgeräumt. Er ist Physiker und hat sich hier einfach ein paar physische Möglichkeiten hergenommen und daraus eine SkyFi-Erscheinung gebaut, wie man es kaum für möglich gehalten hätte. Fazit: Ich bin sehr unbedarft an das Buch herangegangen, um dann direkt positiv überrascht zu sein. Allein die Stimmung in der DDR wird hier so originalgetreu beschrieben, dass man wirklich glauben könnte, dieser Staat würde wirklich noch existieren. Dieser ganze Umgang mit dem "Genosse"-Ding oder dieser Staatsdoktrin, einfach nur perfekt eingefangen und zu einer wirklich großartigen Story verarbeitet.Das Fänomen, in der Zone in der Zone, ist wirklich ein Einfall, der mich kurzzeitig hat glauben lassen, ich würde ein SkyFi-Buch lesen. Allerdings ist das Phänomen wirklich so gut beschrieben, dass ich wirklich in der Lage war, das als gegeben hinzunehmen und die Story darum zu akzeptieren.Menschliche Schicksale sind auch dieser DDR vollkommen egal, was man daran sieht, was die Charaktere in dieser Story mit einer Kosmonautin machen, die einfach nur ihren Dienst versehen hat. - Einfach herzergreifend, wie die Mutter zweier Kinder immer wieder versucht, ihre Kinder im Auge zu behalten, dank der Kamera, die hier scheinbar die Wurzel allen Übels ist.Alles in allem war ich ja im Prinzip nur darüber fasziniert, wie der Autor das Leben in der DDR auf die heutige Zeit irgendwie angepasst hat und doch die Repressalien und Doktrin mit drin gelassen hat. - Ich war gefesselt und wirklich bis zum Schluss an die Zeilen gebannt.Leseunterbrechungen waren unerwünscht, aber durchaus möglich. Ich bin immer wieder und jederzeit gut in die Handlung wieder hinein gekommen und konnte mein Leseabenteuer fortsetzen.Das Kopfkino war eine wirklich gelungene Mischung aus der DDR, wie ich sie noch kenne und dem, was ich mir vorgestellt habe, wie es heute hätte sein können. Herrliche Bilder und großartige Unterhaltung.Ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen, der die alte DDR vielleicht noch kennt und erlebt hat. Aber auch für alle, die diesen Staat nur noch vom Hörensagen kennen, ist allein der Stoff durchaus lesenswert und spannend.