Spannend und wendungsreiche Geschichte mit ungewöhnlichen, aber auch authentischen Figuren. Podcast ist ein sehr aktuelles Thema.
Die Journalistin Roya Mayer hat eine Nachricht von Martina Spiekermann bekommen, die darauf schließen lässt, dass diese einen Suizid begehen möchte. Roya hat Martina erst vor Kurzem über einen Podcast interviewt und ist überrascht, dass Martina plötzlich auf diesen Punkt zusteuert. Fieberhaft versucht sie zum Ort des Geschehens zu kommen, aber leider gerät sie in einen Autounfall. Kommissarin Carola Barreis wird informiert, denn als Roya von Sanitätern gerettet wird, kann sie noch ihr Anliegen von Martina vorbringen. Als Carola am Ort des Geschehens ankommt, findet sie tatsächlich Martina Spiekermann tot auf. Einzig seltsam ist, dass sie Ohrstöpsel trägt und dort der Podcast von Marc Maria Hagen "Hörgefühlt" läuft. Zunächst kann sich Carola keinen Reim darauf machen. Das war mein dritter Thriller von Andreas Winkelmann und er hat mir ebenfalls gefallen. Der Autor hat es drauf, mich in die Geschichten hineinzuziehen.Anfangs fiel es mir allerdings doch etwas schwer in die Geschichte reinzukommen, weil man doch sehr in den Handlungssträngen springt, wo man natürlich erahnen kann, dass die irgendwann zusammenfließen. Aber bis man diese Zusammenhänge versteht, dauert es doch eine ganze Weile und man muss sich da doch etwas durchbeißen. Ich bin mir nicht sicher, ob jeder Leser die Geduld hat. Zusätzlich wurde es einen noch durch die Figuren schwierig gemacht. Gerade die Kommissarin ist eine Granate für sich. Aber das weiß ich auch an Winkelmanns Büchern zu schätzen, dass er keine 0815 Figuren gestaltet, sondern welche, die hervorstechen. Carola Barreis ist 59 Jahre alt, Single und will daran auch nichts ändern, da sie von sich selbst sagt, dass sie für eine Beziehung zu egoistisch ist. Zudem ist sie nicht wirklich die leidenschaftliche Polizistin, sondern hat ihren Job langsam satt und freut sich auf die ruhige Rente. Sie hat keinen Bock auf weitere Leichen, beißt sich aber irgendwie durch. Zu anderen Personen kommt sie oft sehr schroff und resolut rüber, da sie keine Zeit mit Höflichkeitsfloskeln verschwendet. Sie weiß, was sie will und weiß auch, wie sie das durchsetzen kann.Es hat bei mir am Anfang schon sehr gedauert, bis ich mich an ihre Art gewöhnt habe, da ich sie erst als unnahbare Zicke empfand. Aber gleichzeitig fand ich gut, dass sie ehrlich mit sich war und ja auch selbst gesehen hat, dass sie nicht immer korrekt zu Anderen ist und sich dadurch nicht nur Freunde schafft, sie es aber auch nicht ändern möchte. Sie hat eben wie eine ältere Frau gewirkt, die im Leben steht und sich nicht verbiegen lässt.Carola wollte keine sympathische Figur sein und ich denke mal, dass das viele stören wird. Allerdings komme ich gut mit unsympathischen Figuren zurecht, denn auch bis zum Schluss habe ich mir nur so gedacht, dass ich mit so jemand wie ihr nicht unbedingt was zu tun haben möchte, obwohl sie auch ihre guten Seiten an sich hat. Für mich ist am Ende nicht wichtig, wie sympathisch eine Figur ist, sondern wie authentisch sie ist. Roya Mayer war noch undurchsichtiger. Ich hatte lange nicht so richtig herausgefunden, was sie mit ihrem Handeln bezweckt und woraus ihre Motivation herrührt. Aber das war auch vollkommen so gewollt, da diese Auflösung hinter ihrer Motivation stark mit der Handlung in Verbindung stand. Ich empfand sie als sehr fanatisch, was sie auch war, aber aus gutem Grund und man merkte schon, dass sie mit dem Ganzen irgendetwas zu tun hat. Der Podcaster Marc Maria Hagen war mir mit der ersten Erwähnung unsympathisch. Der musste nicht selbst in Erscheinung treten, dass ich schon die Augen verdreht hat. Das lag einfach an dem, was er beruflich gemacht hat. Er spricht einen Mental-Health-Podcast, indem er seinen Hörer, insbesondere Hörerinnen, Tipps gibt, wie sie sich selbst finden, also so pseudopsychologisch. Eine tiefe einnehmende Stimme, die einen in den Bann zieht, wurde im Buch immer wieder beschrieben, gegen die man nicht viel sagen kann. Solche Podcasts gibt es ja wirklich und ich kann nicht verstehen, was man daran finden kann. Hagen war ein Typ, der nicht wirklich helfen wollte, sondern hinter seinen Machenschaften ein großes Geschäft mit viel Geld gesehen hat. Ansonsten hätte ja nicht diese Seminare angeboten, bei denen man den ominösen Mann, wo man sonst nur seine Stimme kennt, trifft. Ich fand es schon etwas unglaubwürdig, dass man kein Bild von ihm im Netz gefunden hat, obwohl er sich doch mit seinen Fans im Seminar getroffen hat. Als hätte niemand ein Foto von ihm gemacht und es in Netz gestellt. Zur Handlung kann ich nur so viel sagen, dass ich diese wiedermal sehr spannend und wendungsreich empfand. Am Anfang musste man sich etwas durchbeißen, aber als dann nach und nach die Verbindungen auftauchten, war es wirklich gut. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn man früher etwas mehr Verbindungen gesehen hätte, da es mich schon immer etwas rausgerissen hat, wenn plötzlich ein anderer Handlungsstrang kam und ich keine richtige Verbindung zur eigentlichen Handlung gesehen habe.Am Ende wurde dann, meiner Meinung, wieder etwas mit der Dramatik übertrieben. Und ob die letzte Auflösung mit Roya hätte sein müssen, ob das überhaupt so möglich ist, weiß ich nicht. Ich rede von der Adoption, da ja Royas Adoptionsfamilie gewusst hat, was passiert ist und ob dass dann wirklich ausreichender Schutz war, wag ich mal zu bezweifeln. Fazit:Es war erneut ein guter Thriller des Autors. Er hat mich nach kleinen Startschwierigkeiten in den Bann gezogen. Mit dem Podcastthema ist der Autor auch am Zahn der Zeit, wie das andere Buch mit den Buchbloggern. Ich schätze an Andreas Winkelmann, dass er sich traut, ungewöhnliche Figuren zu erschaffen. Carola Barreis war nicht die Kommissarin, wie man sie sonst aus anderen Büchern kennt. Spannende und wendungsreiche Geschichte. 4 Sterne.