Trotz gedankenreicher Protagonistin und fesselndem Schreibstil, zieht sich die Handlung leider zu lang.
Bei dem Buch handelt es sich um eine Nacherzählung von Jane Austens Stolz und Vorurteil aus Sicht der unansehnlichen Bennet-Schwester Mary. Das muss man wissen, denn es wird fast bis Seite 300 einfach nur nacherzählt und nebenbei versüßt mit ein paar Gedankengängen von Mary. Ich muss sagen als ich das Buch begann, wurde ich von Marys Schicksal direkt in den Bann gezogen, denn ihr Leben ist nicht einfach. Von ihrer Mutter abgelehnt und vom Vater ignoriert hätte sich Mary wunderbar zu einer spannenden Protagonistin entwickeln können, die über sich selbst hinauswächst. Doch spätestens ab Seite 200 wurde mir klar, dass Mary eher mit dem Strom schwimmt, statt selbst das Zepter in die Hand zu nehmen. Den Großteil des Buches bleibt sie eher passiv und als sie sich dann doch zum handeln entschließt, hatte mich Janice Hadlow als Leserin leider schon verloren. Die Handlung zieht sich und plätschert nur dahin, ohne dass Spannung aufkommt. Mary denkt die ganze Zeit nach und macht sich Sorgen, was sicher ihrem Charakter entspricht, welcher sich aber leider nicht weiter entwickelt. Außer Mary werden die anderen Figuren eher angekratzt, sodass man bei ihnen an der Oberfläche bleibt. Mrs Bennet ist ironisch, Mr Bennet ist spöttisch, Lizzy ist schlau und schön, Jane ist schön, Lydia ist frech und so weiter. Wirkliche Tiefe bekommen die anderen Charakter also nicht ab. Allerdings hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen. Er ist flüssig und elegant und leitet einen gut durch das Buch. Es ist dann doch alles recht vorhersehbar und am Ende fragt man sich, warum man sich durch die 700 Seiten gequält hat. Vielleicht war es einfach nicht mein Genre, oder ich habe anhand des Klappentextes erwartet dass die Handlung sofort an Fahrt aufnimmt und nicht Seiten lang eine Geschichte erzählt wird, die wohl 90% der Leser dieses Buches schon kennen. Für mich ist dieses Buch verschenktes Potential.