Märchenadaptionen können schnell vorhersehbar wirken, deshalb war ich gespannt, welchen eigenen Weg C. E. Bernard mit der Schneekönigin einschlägt. Die eisige Landschaft, die Abgeschiedenheit im hohen Norden und die nordischen Sagengestalten ergeben eine stimmige und stellenweise richtig unheimliche Kulisse. Beim Lesen konnte ich die Kälte förmlich spüren. Greta hat mir als Hauptfigur gut gefallen. Ihre Motivation, alles zu tun, um ihren Sohn zu retten, war jederzeit nachvollziehbar und hat ihrer Reise viel emotionale Kraft gegeben. Die Prüfungen auf dem Weg zur Schneekönigin sorgen für Spannung und bringen einige interessante Begegnungen mit sich. Besonders die Verbindung von Märchenmotiven, Magie und nordischer Mythologie fand ich gelungen. Der Schreibstil ist bildhaft und märchenhaft, braucht aber etwas Eingewöhnung. Auch der Einstieg war für mich recht ruhig und stellenweise etwas langatmig. Erst mit Beginn der eigentlichen Reise nahm die Geschichte deutlich an Fahrt auf. Einige Wendungen konnte ich relativ früh erahnen, weshalb mich nicht jede Überraschung vollkommen überzeugt hat.