Unterhaltsames, gut geschriebenes Märchen mit düsterem Einschlag
Hinter den Spiegeln so kalt ist ein atmosphärisch dichtes Fantasy-Märchen, das sich lose an Die Schneekönigin anlehnt, aber vor allem als emotionales Mutter-Tochter-Drama funktioniert. Die Ausgangslage - ein entführtes Kind, eine verzweifelte Mutter, eine geheimnisvolle Winterwelt - trägt das Buch zuverlässig, auch wenn man das Originalmärchen nicht kennt.Die größte Stärke liegt klar in Liza Grimms Schreibstil: besonders die erste Hälfte, geprägt von Rückblenden und bedrückender Alltagsverzweiflung, ist erstaunlich fesselnd. Sobald die Fantasy-Elemente stärker in den Vordergrund treten, wird die Handlung hektischer, und einige Nebenfiguren bleiben hinter ihrem Potenzial zurück.Finja als Protagonistin polarisiert: ihr ständiges Leiden ist erzählerisch effektiv, aber emotional nicht immer zugänglich. Viele der überschwänglichen Rezensionen scheinen stark aus einer Mutterperspektive heraus zu lesen - wer diesen Zugang nicht teilt, erlebt die Figur vermutlich distanzierter.Trotz kleiner Schwächen in Figurenzeichnung und Tempo bleibt das Buch ein unterhaltsames, gut geschriebenes Märchen mit düsterem Einschlag. Der Hype ist nachvollziehbar, auch wenn die eigene Wertung vielleicht etwas nüchterner ausfällt.