Krimis lese ich eher selten. Aber Biografien? Die liebe ich. Das erklärt wohl, warum ich zwar noch nichts aus der Brunetti-Reihe, aber zu diesem Buch von Donna Leon gegriffen habe. Es ist ein Mosaik aus prägenden Erlebnissen und Anekdoten aus verschiedenen Lebensstationen.Ich habe die Schriftstellerin bisher nur mit Venedig in Verbindung gebracht - dabei ist sie viel in der Welt herumkommen. Sie erzählt von ihrer Kindheit auf einer Farm in New Jersey, von ihren Lehrtätigkeiten in Iran, Saudi-Arabien und China. Man spürt förmlich, wie sie sich durch diese fremden Kulturen bewegt hat - und wie gut oder weniger gut sie mit den lokalen Gepflogenheiten zurechtkam. Wie ausgeprägt ihr Sinn für Humor ist, merkt man spätestens in der Episode über eine Monopoly-Variante, die sie erfand, um sich die Zeit zu vertreiben. Überhaupt sind die Geschichten sehr unterhaltsam, weil Donna Leon vor allem Menschen in den Vordergrund stellt - sei es ihre skurrilen Tanten oder ein Freund, der sich in den Kopf setzt, ganz allein eine Gondel zu bauen. Wir erfahren, wie sie ihre Liebe zu Wörtern, Geschichten und Händels Opern entdeckte und bekommen Einblick in die italienische Lebensart und ihren Alltag in Venedig, wo sie über 25 Jahre verbracht hat. Ihr abenteuerlustiges Leben bietet wahrlich genügend Stoff, um nicht nur ein Buch, sondern eine ganze Serie von Geschichten zu schreiben. Ich hätte mir gewünscht, mehr von ihrer dreimonatigen Reise rund um den Globus zu lesen - denn das Leben selbst ist die größte, abenteuerlichste Geschichte überhaupt.