Die exklusive Hinwendung zum Alleinsein wirkt ideologisch und absolut aufgeladen. Der Wunsch nach starkem Alleinsein wird in der Psychologie oft mit Autonomiebestreben oder dem Bedürfnis nach emotionaler Selbstgenügsamkeit verknüpft. Wenn dieser Zustand jedoch absolut gesetzt und idealisiert wird, muss das als ein Versuch gewertet werden, sich konsequent vor der Reibung, den Verpflichtungen und den potenziellen Kränkungen in echten sozialen Beziehungen zu schützen.
Das fast schon religiös überhöhte Narrativ dient offenbar dazu, ein individuelles Bedürfnis nach sozialer Distanz mit einem höheren Sinn aufzuladen.
Auffällig ist der Widerspruch zwischen der beanspruchten Dating- Expertise und der eigenen Biografie. Wenn eine Person Ratschläge zu Partnerschaft, Dating oder Lebensmodellen gibt, ohne selbst auf eine langjährige, gelebte Erfahrung in diesem Bereich verweisen zu können, wirft das berechtigte Fragen nach der Glaubwürdigkeit auf.
Expertise durch Selbstoptimierung statt durch Erfahrung: Wer den Zustand des Alleinseins erfolgreich inszeniert, gilt in diesem Kontext bereits als Expertin für Unabhängigkeit.
Wenn Autonomie und Selbstverwirklichung absolut gesetzt werden, geraten Beziehungsfähigkeit, Kompromissbereitschaft und langfristige Bindungen die für Familienstrukturen und damit auch für die Geburtenrate notwendig sind ins Hintertreffen. Das Plädoyer wird dann als so stark individualistisch empfunden, dass kollektive oder soziale Verantwortung (wie Familiengründung) an Attraktivität verliert.
Es entsteht der Eindruck, dass hier eher ein aktueller Lifestyle-Trend bedient und monetarisiert wird, als dass tragfähige, lebensnahe Lösungen für die Komplexität menschlicher Beziehungen angeboten werden.