Wenn man bis zuletzt nicht dahinterkommt, was hier Phase ist, ist es sicherlich ein sehr gutes Leseerlebnis
Während einer Geburtstagsfeier stirbt ein Mitglied der dysfunktionalen Familie Darker. Weil sie das Haus, in dem die Feierlichkeiten stattfinden, vor der Küste Cornwalls für neun Stunden aufgrund der Flut nicht verlassen können und ein Sturm die Telefonleitung blockiert, ist der Rest der Familie auf sich gestellt. Als es nach und nach weitere Tote gibt, steht für Daisy, die Jüngste der Darker-Töchter, schnell fest, dass sie niemandem aus ihrer Familie mehr trauen kann."Flutnacht" habe ich bereits vor ein paar Wochen beendet, und ganz ehrlich? Ich bin mir schon gar nicht mehr sicher, wer hier überhaupt diese ganze Familie abgemurkst hat. Und vor allem, warum. Im Gedächtnis bleibt sowieso eher der Twist, den sich Alice Feeney hier ausgedacht hat ... wenn man denn nicht schon von Anfang an zumindest eine Ahnung hat, was hier los ist. Könnte man nämlich, und ich war mir spätestens kurz vor der Hälfte sehr sicher.Schade, denn ich war schon seit der Veröffentlichung im englischen Original total gespannt, da mir zum einen zwei andere Thriller der Autorin extrem gut gefallen haben und die englischsprachige Buchbubble von "Daisy Darker" (Originaltitel) total begeistert war.Allerdings hat nicht nur der bei mir verpuffte Twist dazu beigetragen, dass mich die Geschichte letztendlich doch nicht so mitreißen konnte. Die Hauptfigur und Ich-Erzählerin Daisy Darker bleibt die ganze Zeit über sehr passiv und blass. Und - ich muss es mir wohl langsam mal eingestehen - sind mir diese Einer-nach-dem-anderen-stirbt-und-irgendwer-war's-dann-alle-schreien-begeistert-Agatha-Christie-Murder-Mysteries eigentlich total egal. Wenn da bald einer stirbt, den man eh noch nicht so richtig von allen anderen unterscheiden konnte, und dann irgendein austauschbarer Anderer und noch jemand, und am Ende kommt dann irgendwer aus der Kiste gehüpft, mit dem kein Mensch gerechnet hätte, weil man sich als Autor*in gefälligst irgendwas besonderes ausdenken muss, sonst isses ja zu einfach (weil: sind ja irgendwann nur noch zwei oder drei übrig) ... ach, ist mir doch bumms ...Fazit: Wenn man nicht frühzeitig drauf kommt, was hier Phase ist, und man auf Whodunits im engsten Abgeschnittenenkreis steht, unterhält "Flutnacht" sicherlich sehr gut und hat auch, abgesehen davon, wer es denn nun getan hat, noch ein Ass im Ärmel. Wenn doch, kann es hier ziemlich schnell ziemlich öde werden. Weil ich den Schreibstil und die generelle Erzählweise von Alice Feeney sehr gerne mag, vergebe ich 3***.