Ich hatte von der Autorin DER JUNGE MIT DEM SCHWARZEN HAHN gelesen, was ich als wunderbares Märchen für Erwachsene empfunden habe.Den zweiten Roman SCHLANGEN IM GARTEN habe ich irgendwie verpasst, er ist aber jetzt - nach DAS DÜNNE PFERD - auf meiner Wunschliste hinterlegt.Für mich war das vorliegende Buch ein weiteres Highlight des Jahres. Eine wunderbare Dystopie, gemischt mit Western-Vibes; teilweise kamen mir Bilder in den Kopf, wie ich sie aus Roman von Stephen King kenne - insbesondere aus GLAS. Ich war sofort in der Welt, wie die Autorin sie geschaffen hat.Worum geht es? Die Welt hat einen Punkt erreicht, an dem alles zusammenbricht. Moral wird nur noch sehr klein geschrieben, die Menschen gehen miteinander nicht mehr so um, wie man es gemeinhin erwartet. Und zu alldem geschieht etwas zwischen Kindern und Eltern; die Kinder entwickeln lebensbedrohende Allergien gegen Erwachsene - und die Eltern vergessen ihre Kinder und deren Existenz schlicht. Sie bringen sie ins Krankenhaus, besuchen sie noch ein paar Mal und wissen zunächst nicht mehr, wie sie heißen und dann, dass es sie überhaupt gibt.Die beiden Krankenschwestern Aria und Marion sind die einzigen Erwachsenen, die sich noch um die Kinder kümmern, ja kümmern können.Eines Tages wird die Situation jedoch bedrohlich - sie müssen die Kinder wegschaffen."Die Einrichtung ist seit Tagen unbewacht, der Parkplatz davor ohne Menschen, und also wagen sie es."Sie fahren zu einem Haus, welches Aria gekauft hat. Unterwegs treffen sie die verletzte Prostituierte Hayden, die in Aria eine besondere Saite zum Klingen bringt; diese ist vor einem irren Serienmörder verletzt worden, der auch später noch eine Rolle spielen wird. "Aber die Verrückten, die sind auch an sonnigen Tagen unterwegs. Merk dir das, Schulman"Aria möchte, dass Hayden bei ihnen bleibt - doch diese hat noch etwas zu erledigen und verspricht, nachzukommen; dieses Versprechen hält sie und wird eine wesentliche Rolle in der Geschichte spielen.Schließlich schaffen sie es, die Kinder in das Haus zu bringen und sich dort mit ihnen ein Leben einzurichten. "Die Kinder waren Stück für Stück zu einem Mysterium in der Mitte der Gesellschaft geworden, bis man sie aus der Mitte genommen und an den Rand geschoben hatte..."Doch die Menschen vor Ort sind nicht gerade hilfsbereit, sie sind geradezu feindselig - insbesondere die Männer. "Und derjenige, der die Tomate geworfen hat, bekommt von seiner Frau ein Seufzen zu hören. Was willst du?, fragt er gestisch, und die Frau zeigt auf den halb fertigen Salat."Und dann ist da noch der Rancher Imre Brandt, Morphiumsüchtig, innerlich zerrissen und von seinen Cowboys verachtet und gefürchtet.Und dann steht plötzlich ein dünnes Pferd am Strand, unterhalb des Abhanges - und Aria ist klar, dass es die einzige Aufgabe, die einzige Lösung all ihrer Probleme sein kann, dieses Pferd den Abhang hinaufzubringen.Ein schier unmögliches Unterfangen - doch plötzlich erhält sie Hilfe!"Den Mann, der so tut, als wäre er einer von ihnen, während er sich wünscht, er wäre einer von jenen im Mäusekasten."Die Story wird in mehreren Zeit- und Handlungssträngen erzählt, die gekonnt zusammenfinden. Es werden zunächst viele Fragen aufgeworfen und nicht alle klären sich zu 100 Prozent - was mich absolut nicht gestört hat. Dafür gibt es plötzlich Antworten auf Fragen, gar nicht so offensichtlich waren, durch ihre Antworten aber absolut wichtig! Für mich persönlich der wohl größte und sehr beeindruckende Twist: Was hat es mit Alex auf sich?!"Alex schlägt die Augen auf, und Aria umarmt ihn voller Glück. Auf einmal Stille. Der Regen lässt nach..."Ich möchte nicht mehr vorwegnehmen. Wer Dystopien mag, die in einer wirklich wunderbaren Sprache geschrieben sind und verschiedenste Themen, wie Mißhandlung, Emanzipation, Schwäche, Gewalt, Hoffnung, Freundschaft und Liebe behandeln, dem kann ich nur empfehlen, dieses tolle Buch zu lesen.