Märchen-Fantasy mit starken Figuren, aber der (Nicht-)Einsatz der magischen Fähigkeiten war für mich nicht ganz nachvollziehbar.
Der erste Band hat mir bereits sehr gut gefallen, und darum habe ich mich auch sehr auf den zweiten Teil gefreut - und insgesamt hat sich das für mich auch gelohnt. Ich mochte wieder sehr, wie verschiedene Märchen-Elemente aufgegriffen und in ein Fantasy-Werk integriert wurden. Dieses Gefühl, dass Bekanntes ständig in etwas Eigenes und Dunkleres kippt, funktioniert für mich in der Reihe einfach richtig gut.Besonders spannend fand ich die Entwicklung rund um den Erlkönig. Phasenweise wirkt es beinahe, als würde ihm tatsächlich etwas an Serilda liegen - etwa gegen Ende, als er ihr zugesteht, selbst ins Jenseits zu gehen, ohne dass er Gewalt anwendet. Gleichzeitig fehlt ihm aber komplett das Bewusstsein dafür, dass er sich ihr gegenüber wirklich grausam verhalten hat, gerade mit dem, was er ihrer Familie und ihren Liebsten angetan hat. Diese Mischung ist total interessant, und ich möchte den ersten Teil bald nochmal lesen, um besser darauf zu achten, wie sein Charakter dort angelegt ist.Mit Serilda hatte ich dagegen an einer Stelle ein größeres Problem. Sie ist sich ja schon im ersten Teil grob bewusst, dass ihre Geschichten häufig einen wahren Kern enthalten oder sogar ganz der Wahrheit entsprechen. Im zweiten Teil wird das nochmal stärker hervorgehoben, weil offensichtliche Lügengeschichten wahr werden. Sobald ihr das bewusst ist, hört Serilda aber auf, Geschichten zu erzählen, obwohl ihre Mutter ihr etwas anderes rät. Als sie am Ende mühsam nach einem Weg suchen, den Erlkönig aufzuhalten und einen sicheren Blick in die Zukunft zu werfen, probieren sie die Gaben von Gild und Erlen zu kombinieren - aber auf die Idee, dass Serilda eine Geschichte erzählen könnte, die ein viel umfangreicheres, prozesshafteres Bild schaffen würde als ein Wandteppich, kommt niemand. Das macht für mich keinen Sinn und wirkt als wäre ihre Fähigkeit zu stark und würde ein zu schnelles, sauberes Ende herbeiführen, weshalb sie einfach ignoriert wird.Die Geisterkinder waren dafür durchgehend entzückend. Jeder hat einen eigenen Charakter, und es ist jedes Mal süß, wenn sie auftreten. Gleichzeitig hat mich gestört, wie "glatt" das Ganze bleibt: Sie sind maximal ungeduldig oder mal ängstlich, aber dass sie trotzig oder wütend sind, kommt gar nicht vor - und auch Trauma, obwohl sie entführt und getötet wurden, scheint keine Rolle zu spielen. Das hat sich für mich etwas unpassend angefühlt.Erlen fand ich eine echte Bereicherung. Sie kommt erst in der zweiten Hälfte stärker in den Blick, aber sie sprüht förmlich vor Tatendrang und Lebensfreude, und ich wäre total gespannt, wie es ihr in den letzten 300 Jahren ging und wie sich ihre Beziehung zu den Monstern entwickelt hat. Gild bleibt für mich dagegen etwas dünner: Seine Hauptmotivation ist über weite Strecken, Serilda zu unterstützen und zu befreien - was natürlich passt, aber darüber hinaus bleibt nicht so viel hängen.Mit dem Ende habe ich ehrlich gesagt mit einem Happy End gerechnet, und man hat auch eines erhalten. Wie Gilds richtiger Name herausgefunden wurde, fand ich etwas zu gewollt und nicht ganz natürlich, aber prinzipiell hat mir der Abschluss gefallen. Auch das letzte Kapitel, in dem der Wandteppich mit ihrer Zukunft erklärt wurde, war wirklich süß. Nicht der beste Abschluss, den ich je gelesen habe - aber sehr stabil und insgesamt ein würdiger zweiter Teil.