Mutgebend und tief, ohne in Kitsch abzudriften.
Viel zu lange habe ich gebraucht. Viel zu lange, um das Buch zu lesen, viel zu lange, um eine Rezension zu schreiben und vor allem viel zu lange, Susanns Einladung nachzukommen und von hier aus weiterzumachen!Ich hatte einfach Angst, vor dem, was kommt¿.. Denn als ich im Juli 2025 zur Lesung dieser wundervollen Autorin fuhr, hatte ich wenige Minuten zuvor die Nachricht erhalten, dass es für einen sehr wichtigen Menschen in meinem Leben, keine Hoffnung mehr geben und ich mich nun verabschieden sollte. Als ich an diesem Sommerabend nun an der atmosphärischen ¿Aachener Akropolis¿, wie wir liebevoll eine Stelle auf dem Lousberg nennen, eintraf, dachte ich zunächst, ich würde selbst zu Stein erstarren, als mich der Song, der zur Einstimmung aus den Lautsprechern drang, in Empfang nahm, um mich in Susann Pasztors Obhut zu übergeben, um mich von ihrer angenehmen Ausstrahlung und Stimme an die Hand nehmen und durch den Abend führen zu lassen. Denn dieser Song hatte für mich persönlich, in Zusammenhang mit meinem Cousin Dirk, der für mich wie ein Bruder war, eine große Bedeutung. Und ausgerechnet um dieses Lied und die Trauerbewältigung um den Partner der Protagonistin, der ebenfalls an einem Gehirntumor erkrankt war, sich aber durch Suizid seinem Werdegang entzogen hat, sollte es nun den ganzen Abend in ihrem Buch gehen¿ Zunächst war ich geschockt und überlegte zu gehen. Ich wurde nervös, denke aber rückblickend, dass mich vermutlich kein anderes Thema an dem Abend hätte erreichen können.Das Buch schien unterhaltsam und mutgebend. Ich ärgerte mich, dass ich es mir nicht kaufen und signieren lassen konnte. Aber ich musste weg. Mein Fluchtinstinkt machte es mir unmöglich, mich mit meinen Gedanken in eine Warteschlange einzureihen und Small Talk mit der Autorin zu halten, die ich am liebsten zeitgleich umarmt und geschüttelt hätte, um sie zur Rede zu stellen, wie sie so einfach an mein Innerstes gelangen konnte! Ich war gerührt, berührt, fühlte mich ertappt, betroffen, getröstet und auch ein bisschen wütend. Sie und ihr Buch ließen mir keine Ruhe. Also schrieb ich ihr. Und was machte sie?!? Schickte mir einfach so ihr Buch mit Widmung. ¿Von hier aus weiter!¿ Für mich eine sehr große Geste!Im Oktober starb mein Cousin. Ich konnte mich lange nicht auf das Lesen konzentrieren. Und erst recht nicht auf diese Thematik. Wie schade! Denn es hätte mir sicher sehr geholfen. Denn auch Marlene, um die es in diesem mutgebenden Buch geht, trägt all diese verwirrenden Emotionen in sich und weiß nicht so recht wohin damit. Oder mit sich selbst. Da klopft das Schicksal an die Tür und bringt neue Kurven und Schleichwege in ihre geteerte Einbahnstraße. Es wird nicht alles leichter. Aber am Ende findet auch Marlene den Mut, wie Alice, die Türklinke zum nächsten Raum in die Hand zu nehmen, in diesen einzutreten und sich, wie ein Kind, von Raum und Zeit überraschen zu lassen¿ Von hier aus weiter! Ein wirklich wunderbarer Roman! Ohne übertriebene Gefühlsduselei, gelingt es der Autorin, Emotionen mit Tiefgang, komische Situationen, Rückblicke und Zuversicht zu vereinen. Ein Genuss für die Seele, vor der man sich ganz bestimmt nicht fürchten muss! Danke dafür, Susann!¿¿