Indiana Jones x Romantik & Verrat x starke Frauenfiguren x Magie; gelungener zweiter Teil
Ich mag Bücher, die sich einem historischen Setting bedienen, das zeigt, wieviel Abenteuer schon immer im echten Leben steckte. Die Zeit, in der diese Geschichte spielt, ist das späte 19.Jahrhundert, und die Autorin begibt sich auf die Spuren der großen Entdecker- und Abenteurer-Romane. Im Gegensatz zu den klassischen Werken dieser Zeit steht aber eine starke Frauenfigur, Inez, im Mittelpunkt, die sich mit Temprament, NeugIre, Mut und Verstand gegen die Konventionen wehrt, die ihr die gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit auferlegen.Der Roman beginnt mit der nicht ganz einfachen Liebesgeschichte zwischen Inez und Whit, die für meinen Geschmack zwar etwas viel Raum einnahm, aber trotz allem in den Konstellationen zwischen Vertrauen und Verrat, die einen wichtigen Teil des Buches einnehmen, gut integriert wurde - vor allem ohne unnötig viel Kitsch oder zu starker sexueller Fixierung. Trotz allen Spannungen arbeiten Inez und Whit aber weiter an ihrem gemeinsamen Ziel, Inez Mutter und Vater zu finden sowie das Geheimnis um Kleopatra weiter zu lüften. Die Reise führt sie Weg von Kairo hin nach Alexandria, begleitet durch Isadora. Wenig aufdringlich, aber explizit werden sowohl gesellschaftliche Themen der Zeit zur Rolle der Frau und zur Rolle Britanniens für Ägypten sowie historische Fakten zur Geschichte Ägyptens (auch Zeitleiste und Karten zu Beginn des Buches) und dem Umgang mit Kulturgütern integriert, ohne zu sehr von der eigentlichen Story abzulenken, was den Lesefluss unterstützt, aber durchaus aus anregt, sich hier selbst etwas tiefergehend zu informieren. Angenehm sind die leichten Fantasy-Momente, fast eine Art ¿Alltagsmagie¿, die den archäologischen Artefakten innewohnt und eine besondere Mystik erschafft, die sinnbildlich die Faszination für das untergegangene Reich von Kleopatra verdeutlicht.Am Ende überschlagen sich die Ereignisse vielleicht ein wenig zu sehr, tatsächlich hat mir aber nicht das, sondern der Aspekt mit dem alchemistischen ¿Stein der Weisen¿ nicht so sehr gefallen, vor allem wie es am Ende auf den letzten Seiten aufgelöst wird, vielleicht, weil diese Mythos zu sehr überstrapaziert ist, und das die Autorin sich genötigt gefühlt hat, am Ende das weitere Leben ihrer Figuren in wenigen Sätzen zu Ende zu erzählen. Das hätte man getrost der Fantasie der Leser/innen überlassen können. Trotz allem ein gelungener Roman, nicht nur für die Zielgruppe ab 14 Jahren, sondern auch für ältere Leser/innen, die einen Roman suchen, der einfach gut unterhält. Allerdings sollte man zuerst den ersten Teil lesen, weil dieser direkt auf den Ereignissen davor aufbaut bzw. diese weitererzählt.