Meinung zu "Where the Library Hides" von Isabel IbañezAlte Geheimnisse, gefährliche Intrigen und schon wieder ein bisschen zu viel Hollywood.Secrets of the Nile, Band 2Worum geht es?Ägypten, 1885. Nach den dramatischen Ereignissen des ersten Bandes steht Inez Olivera vor den Trümmern ihrer bisherigen Vorstellungen von Familie, Liebe und Vertrauen.Der Verrat ihrer Mutter hat sie erschüttert, und ihr Onkel Ricardo möchte sie unter allen Umständen zurück nach Argentinien schicken. Doch Inez ist fest entschlossen, in Ägypten zu bleiben und die Wahrheit über die Machenschaften ihrer Familie herauszufinden.Dafür benötigt sie allerdings Zugriff auf ihr Erbe. Und genau hier kommt Whitford Hayes ins Spiel.Der ehemalige britische Soldat bietet ihr eine Ehe an, die ihre rechtlichen und finanziellen Probleme lösen könnte. Doch Whit verfolgt eigene Ziele und verschweigt Inez weiterhin wichtige Dinge über seine Vergangenheit.Während die beiden versuchen, ihre widersprüchlichen Gefühle füreinander zu verstehen, geraten sie erneut in ein gefährliches Abenteuer voller gestohlener Artefakte, alter Magie und familiärer Intrigen.Ihre Suche führt sie schließlich auf die Spur eines verlorenen Wissens, das weit über gewöhnliche archäologische Entdeckungen hinausgeht.Meine Meinung ¿¿Nach "What the River Knows" wollte ich natürlich wissen, wie Inez' Geschichte weitergeht. Der erste Band hatte mich mit seinem ägyptischen Schauplatz, der Verbindung von Archäologie und Magie sowie seiner abenteuerlichen Handlung gut unterhalten.Allerdings hatte ich damals schon das Gefühl, stellenweise eher einen Hollywoodfilm als einen historischen Fantasyroman zu erleben.Und ganz ehrlich? Bei "Where the Library Hides" ging es mir wieder genauso.Isabel Ibañez besitzt zweifellos ein Talent dafür, spannende Abenteuer zu erzählen. Ihre Geschichte ist voller Geheimnisse, überraschender Wendungen und gefährlicher Situationen. Man möchte wissen, was hinter den Intrigen steckt und wie sich die verschiedenen Handlungsstränge schließlich auflösen.Besonders gefallen hat mir erneut das ägyptische Setting.Die historischen Schauplätze, die geheimnisvollen Artefakte und die Vorstellung, dass altes Wissen tatsächlich magische Kräfte besitzen könnte, bieten eine wunderbare Grundlage für Fantasy.Auch die Verbindung zwischen Wissenschaft, Mythologie und übernatürlichen Elementen finde ich grundsätzlich reizvoll.Mein Problem ist allerdings, dass Ibañez dieses Potenzial für meinen Geschmack nicht vollständig ausschöpft.Gerade die historische Situation Ägyptens im späten 19. Jahrhundert hätte so viel mehr zu bieten gehabt. Die europäische Einflussnahme, der Umgang mit archäologischen Funden und die Frage, wem kulturelle Schätze eigentlich gehören, wären interessante Themen gewesen.Zwar spielen diese Aspekte eine Rolle, doch mir bleiben sie häufig zu sehr Hintergrund für eine temporeiche Abenteuergeschichte.Stattdessen konzentriert sich die Autorin wieder stark auf dramatische Enthüllungen, gefährliche Verwicklungen und die romantischen Konflikte zwischen Inez und Whit.Und damit komme ich zu einem weiteren Punkt.Die Beziehung zwischen den beiden hat mich nicht immer überzeugt.Natürlich mag ich komplizierte Liebesgeschichten. Misstrauen, Geheimnisse und widersprüchliche Gefühle können eine Romanze ausgesprochen interessant machen.Aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass Inez und Whit immer wieder um dieselben Probleme kreisen.Einer verschweigt etwas, der andere zweifelt, es kommt zu Missverständnissen, und anschließend beginnt das Spiel erneut.Das erzeugt Spannung, wirkt auf Dauer aber etwas konstruiert.Besonders Inez hat mich gelegentlich angestrengt. Sie ist mutig, neugierig und besitzt einen ausgeprägten Wunsch nach Selbstbestimmung. Das gefällt mir.Allerdings trifft sie mitunter Entscheidungen, die ich nur schwer nachvollziehen konnte. Gerade nach den Erfahrungen des ersten Bandes hätte ich mir bei ihr eine etwas konsequentere persönliche Entwicklung gewünscht.Whit wiederum bleibt ein interessanter, aber keineswegs unkomplizierter Charakter. Seine Geheimnisse und widersprüchlichen Motive sorgen durchaus für Spannung, doch gelegentlich hätte ich mir mehr Offenheit und weniger künstlich erzeugte Konflikte gewünscht.Warum wieder nur B?Weil sich meine grundsätzliche Einschätzung gegenüber dem ersten Band kaum verändert hat.Die Geschichte ist spannend, atmosphärisch und unterhaltsam. Aber sie besitzt für mich zu wenig historische und psychologische Tiefe.Gerade die zahlreichen Wendungen haben mich wieder an den Film "Die Mumie" erinnert.Geheimnisvolle Artefakte, verborgene Orte, gefährliche Gegner, eine eigensinnige Heldin und ein attraktiver Mann, der ständig irgendwelche Geheimnisse mit sich herumträgt.Das kann durchaus Spaß machen. Und das hat es auch!Aber manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Autorin hauptsächlich von einer spektakulären Szene zur nächsten gelangen möchte.Auch die magischen Elemente hätten für meinen Geschmack noch stärker in die eigentliche Welt eingebunden werden können. Die Ideen sind interessant, bleiben aber stellenweise hinter der romantischen und familiären Dramatik zurück.Was ich Ibañez allerdings zugutehalte, ist ihr flüssiger Schreibstil. Sie versteht es, Neugier zu erzeugen, und die Handlung besitzt genügend Spannung, um bis zum Schluss dranzubleiben.Die Geheimnisse werden weitergeführt, die Figuren müssen sich mit ihren Entscheidungen auseinandersetzen, und die Dilogie erhält einen Abschluss.Mein Fazit"Where the Library Hides" ist eine unterhaltsame Fortsetzung, die mir insgesamt genauso gut gefallen hat wie ihr Vorgänger.Isabel Ibañez verbindet historische Fantasy, romantische Spannung und archäologische Geheimnisse zu einem abwechslungsreichen Abenteuer.Besonders gefallen haben mir die ägyptische Atmosphäre, die geheimnisvollen Schauplätze und die Verbindung von alter Magie mit historischen Entdeckungen.Allerdings hätte ich mir mehr historische Substanz, eine überzeugendere Charakterentwicklung und weniger künstlich erzeugtes Drama gewünscht.Mein Eindruck bleibt: Das ist wirklich gute Abenteuerunterhaltung, aber keine außergewöhnlich tiefgründige historische Fantasy.Und wieder musste ich mehr als einmal an "Die Mumie" denken. Nicht unbedingt negativ, denn ich mag solche Filme durchaus. Nur erwarte ich von einem Roman eben manchmal etwas mehr, als mir ein zweistündiges Kinoabenteuer bieten kann.Wer die Mischung aus Romantik, Magie, Archäologie und spektakulären Wendungen liebt, wird mit dieser Dilogie sicherlich viel Freude haben.Ich habe beide Bücher gerne gelesen. Aber beide haben mich auch aus denselben Gründen nicht vollkommen überzeugt.Zwei schöne, spannende Abenteuerromane mit viel Atmosphäre, denen für meinen Geschmack etwas mehr Eigenständigkeit und historische Tiefe gutgetan hätten.¿Bewertung: ¿¿¿¿¿ | B