Ihr ganzes Leben lang hat sich Freya versteckt. Der Grund: Sie ist die Tochter einer Gottheit, gesegnet mit Magie: Eine Schildmaid, die die mächtigen Männer benutzen wollen, wie ein Werkzeug. Doch dann wird sie verraten und an einen skrupellosen Jarl verheiratet, den sie mit ihrer Magie zum König machen soll. Doch nicht nur der mysteriöse Erbe ihres Ehemanns kommt diesen Plänen in die Quere, auch Freya selbst hat nicht vor, Männer ihr Schicksal bestimmen zu lassen...Wildes Land, raues Wetter und nordische Mythologie, das kann man erwarten, wenn man dieses Buch aufschlägt. Dementsprechend rau ist auch der Ton des Umgangs in Skaland, die Winter sind hart, die Leute sind es auch. Besonders gegenüber Frauen, die ihren Willen durchsetzen wollen. Folglich hat es die Protagonistin Freya nicht leicht, noch bevor sie als hübsches Werkzeug an den Meistbietenden verschachert wird.Man muss aber sagen: Freya bewahrt sich ihre Sturheit und lässt sich nicht unterkriegen, auch wenn sie sich schließlich doch erpressen lässt. Dennoch bietet die Skaland-Saga eine starke, eigensinnige Protagonistin. Trotzdem hat das Buch so seine Schwachstellen.Die nordische Mythologie, die auf den Seiten dieses Buchs auftaucht, wird an keiner Stelle weiter erklärt, es gibt eben Kinder der Götter und die haben eben Fähigkeiten, die den Halbgöttern aus Percy Jackson ähneln, das war es aber auch schon wieder. Nordische Atmosphäre kommt in der Geschichte trotzdem auf, allein schon durch die Kälte und das unwirtliche Land, die Kämpfe und die ungehobelten Krieger. Besonderer Fokus lag aber nicht auf detailliertem Worldbuilding. Dafür entwickelt sich die Handlung stetig und flott. Ständig gibt es Kämpfe, Flüche und Enthüllungen, es wird beim Lesen keinesfalls langweilig, die Zeit vergeht schnell. Nur dass man dann doch früher oder später den Kopf über Freya schüttelt. Denn bei all ihrer Sturheit ist sie doch manchmal recht naiv. Sie findet Hinweise auf Intrigen und Geheimnisse, schafft es dann aber auch nicht, eins und eins zusammenzuzählen, während man als Leser den Ausgang der Geschichte im Groben schon erahnen beziehungsweise befürchten kann. Viele Wendungen auf den letzten Seiten des Buches kamen somit eher weniger überraschend.Auch hat Freya, in der Hoffnung, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen, immer brav denen in die Hände gespielt, die sie zu manipulieren versuchen. An ihrer Menschenkenntnis und ihrer Impulskontrolle muss sie also definitiv noch arbeiten, nur das Durchsetzungsvermögen besitzt sie bereits.Die Liebesgeschichte wiederum war natürlich wenig überraschend, aber überraschenderweise gut in die Haupthandlung eingefügt, zwar ein zentraler Teil des Buchs aber nicht das einzige Thema und dürfte Romantasy-Fans auf ihre Kosten bringen, aber auch genug Raum für andere Aspekte der Fantasy-Geschichte lassen. An Bjorn lag das Problem dieses Buches jedenfalls nicht.Fazit: A Fate Inked in Blood ist eine Geschichte, die Vieles will und nicht alles davon auch umsetzt. Wir haben eine Protagonistin, die noch lernen muss, mit ihrer Stärke umzugehen, wir haben viel weibliche Wut, die absolut berechtigt ist, aber noch ihre Bahnen finden muss, und eine Geschichte voller Intrigen und Götterblut, die an vielen Punkten nicht hundertprozentig überraschend war, aber auch noch nicht zu Ende erzählt ist. Wer weiß, vielleicht vermag das Finale der Dilogie ja etwas mehr zu überzeugen.